Nachdem im Vorjahr das erste Mal ein EBOS-Event in Wien stattgefunden hatte, trafen am Wochenende des 26. und 27. September 2009 nationale und internationale English-Billiards-Spieler einander erneut, um den Start der EBOS Saison 2009/10 gemeinsam zu begehen.
Die internationalen Teilnehmer um Vorjahressieger und Profi-WM-fünftplatzierten Martin Goodwill stellten heuer weniger Teilnehmer als die nationale Gruppe.
Die Gruppenphase zeigte, dass die internationale Erfahrung vieler Spieler von der Insel noch immer ausreichend ist, um sich gegen unsere nationalen Akteure durchzusetzen oder zumindest über Wasser zu halten. Großteils waren es die Favoriten, die in ihrem Gruppen die Aufstiegsplätze belegten. Einzig Werner Rieschl konnte einen guten Freund und Trainingspartner von Martin Goodwill, Phil Davis, auf den dritten Rang seiner Gruppe verweisen.
Nach der Gruppenphase fand sich also auch ein Österreicher im Lostopf der Viertelfinalisten wieder. Das Los, so hätte man meinen können, bescherte ihm eine "durchaus lösbare" Aufgabe.
Nachdem am Sonntag die Viertelfinali begonnen hatten, war jedem nach kurzer Zeit klar, dass hier zwei Spieler aufeinander trafen, deren Spielstil als ähnlich bezeichnet werden kann. Bem French (England) der sich in seiner Gruppe vor dem Schotten Roy Bacon und dem Engländer Michael Wright behaupten konnte, erwies sich als eindeutig zu stark für Rieschl.
Bem zeigte allen eine Stunde lang sein Open-Play (hauptsächlich In-Off-Game) in Perfektion, dem Rieschl, auch ein guter Open-Play-Spieler, nichts entgegen setzen konnte. Hier zeigte sich auch deutlich, was Routine und Erfahrung in diesem Sport ausmachen kann.
Trotzdem muss Werner Rieschl zu seinem mittlerweile zweiten EBOS-Viertelfinal-Einzug gratuliert werden.
Im Halbfinale standen neben Bem French die drei Turnierfavoriten:
Martin Goodwill, der in gewohnt souveräner Manier bisher ohne Probleme ins Halbfinale einziehen konnte, Phil Mumford, der am Weg zurück zu alter Stärke vergangener Jahre das höchste Break des Turniers mit 193 Punkten in seinem Viertelfinale gegen Ron Agnew erspielen konnte und Chris Taylor, der mit einigen Breaks um die 80 Punkte bisher eine sehr konstante Leistung präsentierte.
Im ersten Habfinale standen einander Martin Goodwill und Phil Mumford gegenüber, für viele Experten das vorentscheidende Spiel um den Turniersieg.
Mumford konnte in dieser Runde allerdings nicht sein bestens Billiards auspacken und wurde somit von Goodwill mit großem Abstand auf den dritten Gesamtrang des EBOS-Vienna 2009 verwiesen.
Im zweiten Halbfinale behielt Chris Taylor die Oberhand gegen Bem French. Taylors Top-Table-Game erwies sich auf Dauer lukrativer als das Open-Play seines Kontrahenten.
Taylor zog somit ins Finale ein, um dort Vorjahressieger Martin Goodwill die Stirn zu bieten.
Das Finale zeigte von Beginn an, dass Goodwill mehr Endspiel-Erfahrung als Taylor vorweisen kann. Goodwill konnte ein Century-Break erspielen, während Taylor schon oft vorzeitig durch "unforced errors" Goodwill zu guten und für ihn selbst verhängnisvollen Chancen kommen ließ.
Immerhin war es Taylor, der am Tisch stand, als zum Ende der Partie ein mögliches Century-Break von der Uhr und den stets darauf folgenden, legendären Worten des Papstes unter den Turnierleitern, Clive Scott, "Time, Ladies and Gentlemen, Time" verhindert wurde.
Martin Goodwill konnte somit seinen Vorjahres-Triumph wiederholen.
Seine abschließenden Worte, die er im Namen des EBOS-Managements tätigte, zeigten deutlichen, dass er dem österreichischen Billiards-Sport wünscht, sich in großen Schritten weiterzuentwickeln und dass man sich auf die wahren Werte des Sportes besinnen soll.
In der Plate-Competition erreichten der Oberösterreicher Christian Pleschko (gegen Phil Davis) und Patrick Stegmeier aus Wien das Halbfinale, wobei Stegmeier in seinem Halbfinale gegen Peter Stanyer bereits 65 Punkte in Front lag, um schlussendlich doch noch um 7 Punkte zu unterliegen. Pleschko konnte gegen den sehr erfahrenen Davis nicht sein bestes Billiards zeigen und verlor, nach 50-Punkte-Führung zu Beginn der Partie, schließlich um etwa 50 Punkte.
Das Finale der "Plate" erreichten somit Phil Davis und Peter Stanyer (beide England).
Davis konnte sich hier klar durchsetzen und das Preisgeld in der Höhe von 60 € für den Plate-Competition-Sieg abholen. Seinem Finalgegner, Peter Stanyer, muss man allerdings großen Respekt zollen, bedenkt man, dass Peter erst vor einem knappen Jahr als erfahrener Snooker-Spieler zum English-Billiards-Sport gewechselt ist.
Carl-Walter Steiner, Mitorganisator des Events und mit Sicherheit der Spieler mit der größten internationalen Erfahrung unter den Österreichern, konnte in seiner Gruppe immerhin den sehr guten dritten Platz erspielen, in der "Plate" war er allerdings Emanuel Stegmeier bereits in Runde eins unterlegen.
Trotzdem muss CWS ein großer Dank für die Mitorganisation dieses Events, nicht zuletzt des Tournament-Dinners, das allen Spielern sehr mundete, ausgesprochen werden.
Man darf bereits jetzt gespannt sein, wie die EBOS-Subscriber CW Steiner und Patrick Stegmeier in dieser Saison bei den bevorstehenden internationalen Events abschneiden werden. Mit Sicherheit werden sie dort große Erfahrung sammeln können.
Beim Oktober-EBOS in Boston werden die beiden wieder unter den Teilnehmern zu finden sein.
Mit folgenden Worten des Siegers Martin Goodwill möchte ich meinen Bericht schließen und hoffe, dass sich alle Personen, die den English-Billiards-Sport in Österreich mittragen, diese zu Herzen nehmen.
"The game itself is bigger than all of us"
Alle Detail-Ergebnisse sind auf der EBOS-Website einsehbar.
Gez. Patrick Stegmeier
Referent für English Billiards im ÖSBV