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Das Snooker wird mit Kopf entschieden – Power Snooker spielen

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Das Snooker wird mit Kopf gespielt
Ein Spötter hat einmal gesagt, es sei gar nicht so gut, wenn ein Snookerspieler zu klug sei, zu viel im Kopf habe. Mit vielen Gehirnwindungen kann man sich auch viele Gedanken über sein eigenes Spiel machen – der Spötter meint: zu viele. Manchmal sei es besser, einfach an den Tisch zu gehen und stumpf Bälle zu lochen, als das Spiel zu verkomplizieren.

Das ist zuallererst lustig gemeint, denn Snooker ist ein Hochleistungssport für das Gehirn. Ein Spieler kann noch so viele Stöße im Repertoire haben: Wenn er sich nicht im entscheidenden Moment konzentrieren kann, wird es schwierig für ihn. Es kommt nicht von ungefähr, dass zahlreiche Profis mit Sportpsychologen Zusammenarbeiten. Der bekannteste ist Dr. Steve Peters, der es geschafft hat, aus Ronnie O’Sullivan einen berechenbaren Sportler zu machen (überraschend für allem für O’Sullivan selbst). Aber auch andere Spieler holen sich Hilfe, wenn es darum geht, den Fokus komplett auf den Sport, auf eine einzige Spielsituation zu legen. Nicht umsonst ist bei großen Snookerturnieren während der Stöße das Fotografieren verboten, auch dürfen die Zuschauer im Blickwinkel des Spielers nicht aufstehen oder sich bewegen. Jede noch so kleine Regung könnte die Konzentration stören. Ein Snookerspieler braucht eine Strategie im Kopf und die mentale Stärke, diese in größten Drucksituationen anwenden zu können. Nicht selten wird Snooker deshalb mit Schach verglichen, was die mentale Power angeht, die ein Mensch aufbringen muss.

Das Gehirn ist der Boss, hat der belgische Billard-Weltmeister Raymond Ceulemans einmal gesagt. Das gilt für den Snooker-sport genauso. Aufkommende Nervosität oder Versagensängste sind die größten Feinde für einen Spieler. Die meisten Dramen, von denen in diesem Snookerportal noch zu lesen sein wird, sind auf Nervosität zurückzuführen und nicht etwa darauf, dass sich ein Spieler im entscheidenden Moment für einen falschen Stoß entschieden hat. So arbeiten die Psychologen der Profis insbesondere daran, dass ihre Schützlinge psychisch stabil bleiben. Sich auch in Drucksituationen auf die eigenen Stärken zu besinnen, das Selbstvertrauen zu wahren, ist eine hohe Kunst. Und nun stelle man sich vor, dass ein Spieler während eines Snooker-Endspiels nicht nur eine, sondern gleich Dutzende dieser Situationen zu meistern hat. Jeder Spieler hat seine eigenen Strategien, um im Fokus zu bleiben, wenn um einen herum die ganze Halle dem Gegner zujubelt. Manche können völlig abschalten, sich in einen Tunnel begeben. Anderen hilft in einer solchen Situation nur ein Gespräch mit ihrem Psychologen.

So gestaltet sich auch der Aufstieg vom Amateur zum Profi vor allem in mentaler Hinsicht als schwierig. Die wenigsten jungen Spieler konnten schon im ersten Profijahr überzeugen. Denn die mentale Kraft für eine ganze Saison aufzubringen, muss man sich mühsam erarbeiten. Das zeigt sich auch in der konkreten Situation am Tisch: Während Amateure ihr Konzentrationsmaximum meist vor dem Stoß haben, haben es Profis erst, wenn die Queuespitze den Spielball berührt. Dazu kommt, dass es unter den Profis auch einige Exemplare gibt, die sich auf die psychologische Kriegsführung verstehen. Die besonders langsam agieren, wenn sie merken, dass ihr Gegner Probleme hat, die Konzentration aufrecht zu halten. Auch damit muss man erst einmal zurechtkommen.

Power Snooker mit allen Regeln bricht
Vergessen Sie alles, was Sie in den vergangenen Artikel über Snookern über die Erhabenheit des schönen Snookerspiels gelesen haben: Hier kommt die Power-Variante. 2010 wurde Power Snooker erstmals bei einem offiziellen Turnier getestet. Zuvor hatten die beiden Unterhaltungsproduzenten Rod Gunner und Ed Simons die neue Spielart ersonnen, die laut Profiverbandsboss Barry Hearn künftig eine wichtige Rolle spielen sollte. Power-Snooker sollte schneller und spektakulärer sein und damit neue Zuschauerkreise erschließen, die von der traditionellen Variante eher gelangweilt waren. Ähnliche Versuche hatte es zuvor im Kricket gegeben: Bei Twenty20 sollte die Länge eines Kricketspiels der eines Fußballspiels angeglichen werden. Gut fürs Fernsehen, kurzweiliger für die Zuschauer.

Zu den Regeln beim Power Snooker: Ein Spiel dauert nur 30 Minuten; wer bis dahin die meisten Punkte gesammelt hat, ist der Sieger. Frames sind dabei unwichtig. Für einen Stoß haben die Spieler nur 20 Sekunden Zeit, ein Zeitfoul wird mit 20 Strafpunkten geahndet. Auch die Anordnung auf dem Tisch ist verändert: Statt 15 roter Kugeln liegen nur neun auf dem Tisch. Beim Anstoß müssen zwei rote Bälle die Banden berühren. Einer der roten Bälle ist besonders gekennzeichnet, er heißt Power Ball. Wird er gelocht, werden für zwei Minuten alle Punkte verdoppelt (Power Play), Ebenso wichtig ist die sogenannte Power Zone auf dem Tisch: Wird hier ein Ball gelocht, zählt dieser doppelt, im Power Play sogar vierfach. Anfangs gab es Bonuspunkte für Century Breaks, diese Regel wurde aber wieder gestrichen. Spiele enden so nicht 9:6 oder 17:13, wie im traditionellen Snooker, sondern beispielsweise 351:267.

Gemessen daran, was aus Power Snooker wurde, war die Anfangseuphorie zu groß. Kein Geringerer als Ronnie O’Sullivan hatte sich vorgenommen, der neuen Variante auf die Sprünge zu helfen. Klar, der Brite gilt als einer der gedankenschnellsten Spieler der Tour, der für seine Stöße die geringste Vorbereitungszeit benötigt. Er hätte von der neuen Variante sehr profitiert. O’Sullivan hatte sogar geholfen, Power Snooker zu entwickeln – und machte mit markigen Sätzen Werbung. Die Snooker-WM nach regulärem Spielmodus bezeichnete er als langweilig, 17 Tage in Sheffield von der ersten Runde bis zum Finale als viel zu lang. Alles Neue ist eine Herausforderung, sagte O’Sullivan. Snooker brauche ein neues Publikum, die Idee, dass ein Spiel nur noch 30 Minuten dauere, sei aufregend. Als Zukunft des Snookers bezeichnete er die Power-Variante gar. Das Publikum wird es lieben46, versprach O’Sullivan.

Für die Saisons 2010/11 und 2011/12 wurde ein Power-Snooker- Event als Einladungsturnier an die Main Tour angedockt. Danach verschwand es wieder. O’Sullivan kann für sich behaupten, der erfolgreichste Spieler dieser Episode gewesen zu sein: Bei der Erstausgabe siegte er im Finale 572:258 gegen Ding Junhui. Im Jahr darauf verlor er das Finale knapp 258:286 gegen Michael Gould. Die Zukunft des Snookers war die neue Variante aber leider nicht.