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Die Alister Carter Geschichte und der Krebs – Snooker Legenden

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Die Alister Carter Geschichte und der Krebs – Snooker Legenden
Snooker ist gewiss kein schwereloser Sport, der sich frei von Nebengeräuschen genießen lässt. Dafür, dass das Spiel in der Welt spitze von einem überschaubaren Kreis an Profis gespielt wird, sind schwere Krankheiten und der Tod weit verbreitet. Über Paul Hunters viel zu frühen Abschied war bereits zu lesen. Nicht minder dramatischer ist der Leidensweg von Ali Carter – mit dem Unterschied, dass Carter den Kampf noch nicht verloren hat.

Carter, genannt The Captain, gehört zu den beliebtesten Spielern der Tour. Er zählt zu den Vertretern, die den Sport mit einem gehörigen Schuss Emotionalität betreiben. Sein gewinnendes Lächeln, sein ehrlicher Jubel – all dies lieben die Zuschauer. 2003 erkrankte Carter an der Autoimmunschwäche Morbus Crohn, einer chronischen Entzündung des Verdauungstraktes, die drei Operationen erforderte und ihn zwang, täglich eine Vielzahl an Tabletten zu schlucken. Er hielt die Erkrankung allerdings geheim, aus gutem Grund: Probleme mit dem Darm? Das ist ja nun nicht gerade das, was man den Leuten beim ersten Treffen unter die Nase reibt.

Carter bekam die Krankheit in den Griff, aber durch die Einnahme von Immunsuppressiva wurden seine Abwehrkräfte heruntergesetzt. Carter vermutet, dass dies seine erste Krebserkrankung begünstigt hat. Der in Colchester geborene Brite befand sich auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, die Weltrangliste führte ihn auf Position zwei. 2012 stürmte er bei der WM ins Finale. Auch das Jahr 2013 begann gut, er siegte beim Masters in Berlin, ehe er im Sommer bekannt gab, dass er an Hodenkrebs erkrankt war. Carter ließ sich operieren, zwischenzeitlich galt er als geheilt, dann wurde ein Tumor in seiner Lunge diagnostiziert. Carter gab seinen Ausstieg aus der Main Tour bekannt – der Weltverband reagierte mit einer großen Geste: Die WPBSA fror Carters Ranglistenposition 13 ein. Er sollte nach überstandener Krankheit genau dort wieder einsteigen können, wo er aufhören musste.

Carter quälte sich durch drei Chemotherapien, die Haare fielen aus. Er habe ausgesehen wie eine Snookerkugel157, erklärte Carter, was ganz gut beschreibt, wie er mit seiner Krankheit umzugehen dachte. Seinen Humor wollte er sich unbedingt bewahren. Ich kämpfe gegen den Krebs, für so einen Quatsch wie Morbus Crohn habe ich jetzt keine Zeit, hat er einmal gesagt, und als er Ende 2014 tatsächlich als geheilt galt, atmete die Snookerszene befreit auf. Dass er wieder da ist, ist für unseren Sport einfach fantastisch, sagte Barry Hearn. Carter griff wieder an, im August 2015 gewann er sogar ein Turnier – passenderweise war es das Finale des Paul Hunter Classic in Fürth. Ein sehr emotionaler Moment, für Carter und für alle anwesenden Zuschauer. Sein neues Lebensmotto, und das kann ihm niemand verübeln: Wenn mich nicht mal der Krebs umhaut, wovor soll ich da noch Angst haben?