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Die besten Spieler im Snooker und die größte Turniere

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Die besten Spieler im Snooker und die größte Turniere
Jeder sportbegeisterte Brite kennt die Jubelgeste von Geoff Hurst, dem Schützen des Wembleytors 1966. Die Arme weit nach oben gestreckt, rannte Hurst über den Rasen, als die Schiedsrichter das Tor gegeben hatten, das eigentlich keines war. Fast jeder sportbegeisterte Brite kennt auch die Jubelgeste von Dennis Taylor nach seinem Sieg 1985 im Jahrhundertmatch gegen Steve Davis: Taylor blieb wie angewurzelt stehen, das Queue in die Luft gereckt, mit beiden Händen fest umschlossen, dazu den Mund weit aufgerissen.

Snooker erfreut sich auf der Insel auch deshalb einer solchen Beliebtheit, weil die weltbesten Spieler der vergangenen vier Jahrzehnte keine aalglatten Typen waren, sondern wunderbare Geschichten fabriziert haben. Der Sport hat große Siege und noch größere Dramen erlebt, vom Jahrhundertmatch war schon die Rede. Erinnert sei auch an Jimmy White, der fünf WM-Finals in Serie verlor, oder an John Higgins, der dachte, er sei an die Mafia geraten. Viele Spieler haben geraucht und gesoffen, bis ihr Körper dahingerichtet war. Alex Higgins saß 17 Mal im Gefängnis, Ronnie O’Sullivan war ebenfalls Stammgast vor Gericht. Die Liste ließe sich weiter fortführen.

Snooker scheint nicht nur in den Snookerclubs der Welt zu funktionieren, sondern auch an den Kneipentischen, wenn die tollkühnsten Geschichten zum Besten gegeben werden. Weißt du noch, wie Davis gegen Taylor die letzte Schwarze verschossen hat? – Wann hast du dir zuletzt das Video von O’Sullivans schnellstem Maximum Break angesehen? – Tat Ding Junhui dir damals auch leid, als er auf dem Stuhl saß und weinte? Jeder Snooker-Fan weiß damit etwas anzufangen. Manche Spieler kamen indes zu eher zweifelhaftem Ruhm. Bill Werbeniuk, der wegen seines hohen Alkoholkonsums gefeiert wurde, schließlich aber daran starb. Auch Alex Higgins trank noch Guinness, als er keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen konnte und nur noch knapp 40 Kilo wog. Ein echter Held hingegen ist Ali Carter, der zweimal den Krebs besiegte und tatsächlich als Turniersieger zurückkehrte.

Auch lässt sich herrlich streiten, wer denn nun der beste Spieler von allen ist (beziehungsweise war). Bei den Frauen fällt die Wahl leicht auf Reanne Evans, die elfmalige Weltmeisterin. Aber bei den Männern? Die Einigung auf den engeren Kandidatenkreis gelingt meist noch einvernehmlich, doch wer hat die Sportart nun am meisten geprägt? Davis, der König der Achtziger? Hendry, der Dominator der Neunziger? Oder O’Sullivan, der Held der 2000er- Jahre? Jeder Nicht-Snookerfan versteht indes nur Bahnhof, aber so soll es ruhig sein. Muss ja nicht jeder alles wissen über unseren Sport. Wir sind ja hier schließlich nicht beim Fußball.

Das Snooker-Profis echte Gladiatoren sind
Am eindrücklichsten ist der Einmarsch im Crucible Theatre in Sheffield, bei der Weltmeisterschaft. Auf den steilen Tribünen führt eine kleine Treppe nach oben, über die müssen die Spieler kommen, raus, aus den Katakomben, runter zum Tisch, zu den Kugeln. Der Hallensprecher bei der WM war früher Rob Walker, der wohl beste englische Announcer, der schon für die BBC, Channel 4 und ITV gearbeitet hat.

Lefs get the boys on the Baize, ruft Rob Walker also: Holen wir die Jungs runter ans Billardtuch.8

Dann beginnt Walker, einige Verdienste der Kontrahenten aufzuzählen.

Er ist der diesjährige Comeback-King. An Weihnachten sinnierte er noch über einen Rücktritt, jetzt ist er hier beim Höhepunkt des Jahres. Was für eine Story, was für ein Spieler.

Kurze Sprechpause, während die Spannung steigt.

Er fliegt in der Luft, er ist der ›Captain‹, hier ist: Ali Carter! Carters Einlaufmusik ertönt, dann schreitet er die Stufen herunter, hebt die Hand, reckt den Daumen nach oben. Das Publikum applaudiert, was es kann. Nun darf das WM-Finale 2012 für Ali Carter beginnen.

Der Einmarsch der Gladiatoren hat sich bewährt, auch wenn er anfangs nichts weiter als der Versuch gewesen sein mag, die Sportart aus ihrem verstaubten Gewand zu befreien. Je nach Spieler fällt die Begrüßung mal nüchtern, mal frenetisch aus, was auch von der Reaktion des Publikums abhängt. Walkers Eingangsworte für Carters Gegner an diesem Tag, Ronnie O’Sullivan, wurden immer wieder von Verzückungsschreien unterbrochen. Walker ließ sich anstecken:

Wenn er nicht ausgezeichnet spielt, spielt er großartig. Kann er eine vierte Krone zu seiner Sammlung hinzufügen, seinen vierten WM-Titel gewinnen? Er ist so schnell, wenn Sie blinzeln, verpassen Sie ihn: ›The Rocket‹, Ronnie O’Sullivan.

Über all die Jahre hat sich Walker einen Fauxpas erlaubt, der im Internet bei YouTube noch immer ein Klickgarant ist. Bei der WM 2010 traf Steve Davis kurz vor seinem Karriereende im Viertelfinale auf Neil Robertson. Davis ist, wie später in diesem Snookerportal noch zu lesen sein wird, einer der größten Vertreter der Sportart, eine Persönlichkeit, ja: eine Legende. Walker begrüßte ihn in gewohnter Manier, lobte Davis als feinsten Botschafter des Snookers, als ultimativen König der Achtziger. Davis vernahm die Worte mit Zufriedenheit, rückte sich die Fliege zurecht und schien bereit, das Crucible zu betreten, als er Walker sagen hörte: Ladies and gentlemen, er ist eine Legende. Er ist: Dennis Taylor.

Dennis Taylor? Der Typ hatte ihm einst seine schmerzlichste Niederlage zugefügt. Walker, wohl von einem Blackout befallen, hatte tatsächlich den falschen Namen gerufen. Doch Davis bewies Humor: Er machte sich trotzdem auf den Weg – und lachte, als er die Halle betrat.

Die komischen Spitznamen der Profi-Snookerspieler
Rob Walker, der Annouce, hat über die Jahre einige Spitznamen erfunden, die sich hielten und die Spieler bis heute begleiten. Er war der Erste, der Shaun Murphy The Magician nannte. Auch Neil Robertson hört noch immer auf den Namen The Thunder from Downunder.

Es scheint ja überhaupt nicht zu passen: Piekfein gestriegelte Snookerspieler in Lackschuhen geben sich Spitznamen wie Wrestler aus den Achtzigern. Brad The Hitman Hart oder Macho Man Randy Savage hießen die ungehobelten, muskelbepackten Jungs damals. Trotzdem haben sich die Spitznamen im Snooker durchgesetzt. The Rocket ist ein geläufiges Synonym für Ronnie O’Sullivan, er kann damit ebenso gut leben wie Murphy oder Robertson. Herausgehoben werden ihre guten Fähigkeiten, so war O’Sullivans Aufstieg in den Neunzigern einfach raketenhaft, Murphys Spiel ist wirklich magisch – und Robertson fegt an guten Tagen tatsächlich über seine Gegner hinweg wie ein Wirbelsturm.

Bei vielen Spielern scheint es einfach zu passen. Ali Carter hat tatsächlich das Gesicht eines Captains, John Higgins spielt wirklich manchmal wie ein Zauberer (The Wizard of Wishaw), Allison Fisher, früher eine der besten Frauen im Snooker, inszenierte sich gerne als Herzogin des Untergangs (The Dutchess of Doorn). Und dass Stephen Hendry ein Goldjunge war, daran bestand ohnehin nie ein Zweifel: Golden Boy wurde er genannt. Andere Spieler hat es schlimmer erwischt. Erwähnt seien an dieser Stelle nur Pot Noodle (Ding Junhui), Pott The Lot Dott (Graeme Dott), Mark The Shark (Mark Selby) oder Mr. Haircut 100 (Judd Trump). Einer wie Steve Davis hat es über all die Jahre auf mindestens sieben verschiedene Spitznamen gebracht: The Nugget, The Ginger Magician, Interesting, Romford Slim, The Legend, Ginger Mushroom, Master Cueman. Nicht alle davon sind als Kompliment gemeint.

Was der blödeste aller Spitznamen ist? Die Auswahl ist groß, ein abschließendes Urteil fällt schwer. Gesichert ist nur, dass Barry Hawkins in dieser Kategorie oben mitspielt: Barry Potter wurde er einst genannt.