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Die European Tour war ein Party Tour – Snooker Turniere

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Die European Tour war ein Party Tour – Snooker Turniere
Das Ende der European Tour kam 2016, und es wurde allgemein mit Gleichgültigkeit registriert. Nicht allzu viele Freunde hatte sich die als Players Tour Championship (PTC) gestartete Serie über die Jahre gemacht, unverzichtbar war sie nicht wirklich. Als der Profi- Weltverband WPBSA schließlich das Aus bekannt gab, hielten sich die Proteste bei allen Beteiligten in Grenzen. Finanziell hatte es sich einfach nicht gelohnt – weder für den Verband noch für die meisten Spieler.

Die Idee war dabei gar nicht schlecht. Die PTC-Turniere galten als eingelöstes Versprechen des 2009 gewählten WPBSA-Vorsitzenden Barry Hearn, der den Spielern eine bessere Lebensgrundlage verschaffen wollte. Zwölf neue Turniere kamen dank der PTC-Tour in den Kalender, für die es weniger Weltranglistenpunkte als bei den Turnieren der Main Tour gab, auch die Preisgelder waren geringer. Gespielt wurde lediglich im Modus Best of seven – aber trotzdem: Viele Spieler hatten plötzlich die Möglichkeit, mehr Turniere zu spielen. Es gab zwölf Vorturniere und ein Finalturnier; wer am Finale teilnehmen wollte (hier gab es deutlich mehr Preisgeld), musste an mindestens sechs Vorturnieren teilgenommen haben, dreimal in England und dreimal im Rest von Europa. Das hatte den Nebeneffekt, dass die besten Spieler einen Anreiz erhielten, Turniere in anderen Ländern zu spielen, und Snooker somit auf dem europäischen Festland bekannter wurde. Das Paul-Hunter-Classic in Fürth gehörte etwa zu diesen Turnieren. Auch Austragungsorte in China fanden über die Jahre ihren Weg ins Programm.

Bei den Top-Spielern war die Serie mäßig beliebt. Ein Teil der Turniere in England wurde in der Snooker-Akademie in Sheffield ausgetragen – ohne Publikum und in Hallen mit dem Charme eine Garage, wie Snookerkommentator Rolf Kalb einst sagte. Für die Top-Profis war das eine Umstellung, die Tour erforderte zudem viel Reiserei für vergleichsweise geringes Preisgeld. Der Sieger eines der Vorturniere erhielt etwa nur zwischen 10.000 und 25.000 Euro. So meldeten einige Profis zwar für die Turniere, gingen aber bisweilen nicht mit dem nötigen Ernst zur Sache. Zwischenzeitlich schien die European Tour zu einer Party Tour zu verkommen, da manche Spieler sich die sportlich mäßig attraktiven Wochenenden mit Alkohol schöntranken. Andere nahmen die Serie ernster, Mark Selby gewann in sechs Jahren sieben PTC-Turniere, damit ist er der Rekordsieger. Auch Mark Allen schaffte es auf fünf Einzeltitel, Stuart Bingham, Ding Junhui, Shaun Murphy, Neil Robertson und Judd Trump immerhin auf vier.

Eine interessante Versuchsanordnung findet mit dem Aus der European Tour ebenfalls ihr Ende: Die Serie galt als Pro-Am, hier spielten also Profis und Amateure gegeneinander. Unterklassige Spieler aus der jeweiligen Region, in der das Vorturnier stattfand, hatten die seltene Chance, gegen die besten Spieler der Welt anzutreten, als Underdogs ihr Können zu zeigen, was den Turnieren einigen Charme verlieh. Durch das Aus der PTC-Serie dürfte es künftig noch schwieriger werden, die Lücke zwischen Profis und Amateuren zu schließen.