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Die Geschichte von Jimmy White als Pechvogel – Snooker Legenden

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Die Geschichte von Jimmy White als Pechvogel – Snooker Legenden
Seine Geschichte erinnert an die von Ivan Lendl, dem Tennisprofi, der bei 14 Versuchen nie Wimbledon gewinnen konnte. Auch an Schalke 04, den deutschen Fußballklub, der 2001 so knapp wie tränenreich an der Meisterschaft vorbeischrammte, dass man schließend vom Meister der Herzen sprach. Auch Jimmy White kennt die Tragik gut, sie war sein ständiger Begleiter. Er stand sechsmal im Finale der Snooker-WM, doch gewinnen konnte er sie nie. Champion der Herzen nannten ihn die Fans.

Jimmy White war ein Großer dieser Sportart, und er hat natürlich nicht ausschließlich verloren. Er ist mit 16 Jahren der jüngste englische Amateurmeister der Geschichte, auch der jüngste Amateurweltmeister (mit knapp über 18). 21 Profititel konnte The Whirlwind ab 1981 gewinnen. Nur der ganz wichtige Titel, der des Weltmeisters, blieb ihm aber verwehrt. Sein erstes Finale verlor er 1984 mit gerade 22 Jahren gegen Steve Davis. Anfang der Neunziger stand er unglaubliche fünf Mal in Serie im WM-Finale – doch verlor sie allesamt. Einen legendären, wenn auch höchst tragischen Moment erlebte die Sportart im Endspiel 1994, als White beim Stand von 17:17 in die finale Entscheidung gegen Stephen Hendry ging und bereits wie der sichere Sieger aussah. Er führte 35:24, nur noch fünf Rote und die Farben waren zu spielen. Die schwarze Kugel wirkte leicht, lag auf dem Spot. Doch White überlegte eine Sekunde zu lange, strauchelte, blieb links am Tascheneingang hängen. Bei den Zuschauern im Crucible mischte sich neben Ungläubigkeit auch Schmerz in die allgemeine Gefühlslage. Denn es war klar, was passieren würde: Hendry kam an den Tisch, räumte ab und gewann das Finale. Der Applaus für White, der an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte, war lauter als der für den Sieger Hendry. Angesprochen auf seine neuerliche Finalpleite, sagte er: Es beginnt mich zu langweilen.

Das liebten die Fans an ihm: seinen Schalk, seinen Witz. White war ein Unterhaltungskünstler, der der Sportart immens guttat. Ein schönes Gegenstück zu den anderen großen Profis seiner Zeit: Steve Davis, der professionellen Maschine, oder Alex Higgins, dem Exzentriker. Sein Artikel Behind The White Ball, das 1998 erschien, wurde ein Bestseller. Darin beschrieb er auch die tragischsten Jahre seines Lebens: Binnen drei Jahren erkrankte White an Hodenkrebs, verlor seinen Bruder (Lungenkrebs) und auch seine Mutter. 2007 schließlich starb auch sein um einige Jahre Jüngerer Freund Paul Hunter, für den er wie ein großer Bruder war.

Dem Snooker den Rücken zu kehren, hat White bislang noch nicht geschafft. Zur Freude der Zuschauer nimmt er noch immer an den Qualifikationsrunden zur Weltmeisterschaft teil. Über seine Website lässt er sich für Snookerevents oder Pokerturniere buchen. 2009 nahm White an der englischen Variante des Dschungelcamps teil, wobei er Dritter wurde. Seinen Humor hat er trotzdem nicht verloren: Das kann jeder hören, wenn Jimmy White im britischen Fernsehen als Snookerkommentator auftritt und von damals erzählt, wie es war, im Crucible, als er einfach kein einziges Finale gewinnen konnte.