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Die James Wattanas Geschichte und der Diplomatenpass – Snooker Legenden

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Die James Wattanas Geschichte und der Diplomatenpass – Snooker Legenden
James Wattana ist die europäische Version seines Namens. In Thailand heißt er Wattana Phu-Ob-Om. Er ist der Spieler, der in Ostasien einen Boom auslöste, und zwar zu einem Zeitpunkt, als Snooker fast ausschließlich auf der britischen Insel stattfand. Er war nie Weltranglistenerster, auch nicht Weltmeister, trotzdem wäre der Sport ohne James Wattana nicht derselbe.

Schon als 16-Jähriger sorgte Wattana für Furore. 1986 gewann er überraschend das Thailand Masters; dabei konnte er während des Turniers in Dennis Taylor, Steve Davis und Terry Griffith gleich drei Weltmeister besiegen. Schon bei seinem zweiten Turnier auf der Main Tour erreichte er das Finale (Asian Open, Finalniederlage gegen Stephen Hendry). Er fasste schnell Fuß in England, obwohl er stets Heimweh hatte, das Wetter nicht mochte, ebenso das Essen. Doch er blieb. Die Ovationen seiner Landsleute daheim in Thailand entschädigten ihn. Als erster erfolgreicher Asiate der Sportart kam sein Status dem eines Volkshelden gleich. Von 1992 bis 1995 gewann Wattana drei Ranglistenturniere, kletterte bis auf Rang drei der Weltrangliste, stand zweimal im WM-Halbfinale. Eigentlich seien Menschen aus Thailand zu klein, um Wettkämpfe zu gewinnen, sagte Wattanas Manager Tom Moran einmal: Aber er schlägt die westlichen Sportler in ihrem eigenen Spiel. Zeitweise gab es im 60-Millionen-Einwohner-Land wohl keinen populäreren Sportler als ihn. Mehr als 1,5 Millionen Britische Pfund verdiente er in seiner aktiven Karriere.

Und sein Spiel war spektakulär. Als einem der wenigen Spieler weltweit gelangen ihm drei Maximum Breaks (1991,1992,1997). Hinzu kommen 156 registrierte Century Breaks. Ihm ist es wohl zu verdanken, dass Asien anschließend eine Vielzahl an Topspielern hervorbrachte, von Ding Junhui bis Marco Fu. Sie alle hatten in ihrer Jugend verfolgt, wie es Wattana den Europäern in ihrem Spiel schwer machte.

Und die Geschichte mit dem Diplomatenpass? Den bekam Wattana von seinem Land kurzerhand ausgestellt, weil das Reisen zu Turnieren auf der ganzen Welt so erheblich einfacher war. Proteste gab es keine, jeder Thai wollte schließlich, dass Wattana rechtzeitig dort ankam, wo die großen Turniere gespielt wurden, und den Europäern zeigte, wie ihr eigenes Spiel wirklich geht.