Start Spieler Die Judd Trumps Geschichte und das Risiko – Snooker Legenden

Die Judd Trumps Geschichte und das Risiko – Snooker Legenden

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Die Judd Trumps Geschichte und das Risiko
Was Judd Trump nun kann und was nicht, daran zweifeln die Experten. Fast jeder Snookerkenner hat Trump schon einmal gefeiert, ob des herausragenden Potenzials, das der junge Mann aus Bristol mitbringt. Fast jeder Kenner hat eben jenen Trump aber auch unter den nächstbesten Snookertisch gewünscht, weil er aus seinem großen Talent einfach zu wenig macht und viel zu wenige Turniere gewinnt.

Trump ist ein spannender Typ, aber auch ein Opfer seiner eigenen Spielweise. Sie ist für ihn Fluch und Segen zugleich. Niemand spielt offensiver als er, Trump nimmt sich jede Gelegenheit, die sich ihm bietet; auch solche, die andere auf dem Tisch gar nicht erkennen. Er spielt so mutig und risikofreudig, dass manche Gesetze neu geschrieben werden mussten. Bälle, die gegen andere Gegner für safe galten, waren gegen Trump plötzlich nicht mehr safe. Er lochte die unmöglichsten Dinger, auch wenn sie weit entfernt vom Spielball dicht an der kurzen Bande lagen. Legendär ist seine Kombination mit vier roten Kugeln aus dem WM-Auftaktspiel 2011 gegen Neil Robertson, den damaligen Titelverteidiger, den Trump im Hurra-Stil aus dem Turnier beförderte.

Doch volles Risiko wird im Snooker selten belohnt, auch wenn manch einer zwischenzeitlich dachte, die Sportart würde sich in genau diese Richtung entwickeln. Deshalb steht Trump nicht dort, wo er stehen könnte. In seiner Jugend siegte er bei der englischen U13-Meisterschaft, dreimal holte er den Titel bei der U15. Im Alter von 14 Jahren und 208 Tagen spielte er sein erstes offizielles Maximum – den Rekord hält er bis heute. Sein Start als Profi war verheißungsvoll, 2010 gelang ihm sein erster wichtiger Turniersieg beim Paul-Hunter-Classic in Fürth. Es folgte der große Titel bei der UK Championship, nichts schien Trump in dieser Phase stoppen zu können. Vor allem die jüngeren Fans verehrten ihn, von einer Trumpmania war die Rede, angelehnt an die Beatlemania in den Sechzigern. Trump trug seine Haare wild, machte stets ein bisschen Show, gab den Womanizer. Er sollte derjenige sein, der die Sportart in ein neues Zeitalter führt. Als neuer Ronnie O’Sullivan wurde Trump bereits gefeiert.

2011 war sein Jahr, doch danach blieben die Turniersiege plötzlich aus. Mit seiner furiosen Spielweise hatte Trump die Tour überrannt, nun wirkte es, als hätten sich die Kollegen auf ihn eingestellt. Noch immer konnte es passieren, dass er mit verblüffender Leichtigkeit in ein WM-Halbfinale stürmte. Doch immer traf er auf jemanden, an dem sein offensiver Spielstil abprallte, gegen den er sich einfach nicht durchsetzen konnte. Und so durfte O’Sullivan bezüglich seines mutmaßlichen Nachfolgers genüsslich feststellen: Es gibt Leute, die Judd Trump zum neuen O’Sullivan hochstilisiert haben. Aber ich glaube, es gibt da einen Unterschied.