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Die Kameramänner bei John Spencer einlegten eine Teepause – Snooker Legenden

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Die Kameramänner bei John Spencer einlegten eine Teepause – Snooker Legenden
Als Steve Davis das erste Maximum-Break vor TV-Kameras zauberte, saß John Spencer auf dem Stuhl des Gegners – und fühlte sich leicht veräppelt. Er war es doch gewesen, der drei Jahre zuvor ein ebensolches Maximum Break gespielt hatte. Nur leider hatten die Kameramänner während seiner Großtat gerade eine Teepause eingelegt. Wie sich später herausstellte, entsprachen auch die Mitteltaschen des Tischs nicht den Regularien. Sein Maximum zählte jedenfalls nicht. Schicksal, so Spencers trockener Kommentar.

Spenny war neben Reardon einer der dominanten Spieler der Siebziger, ein Typ, der die Snooker-Szene auch noch viele Jahre nach seiner aktiven Karriere begleitete, als TV-Kommentator bei der BBC und als Chef des Weltverbands. Das Kurioseste an ihm war sein Queue: Seit Jugendtagen spielte er mit einem sogenannten Two-Piece-Cue, einem zweiteiligen Queue. Davon ließ er nicht ab, selbst als er sich mit seinen Preisgeldern locker ein hochwertigeres Arbeitsgerät hätte leisten können. 1966 gewann er die englische Amateurmeisterschaft, 1969 und 1970 die WM. Als bei einem Autounfall 1974 sein geliebtes Queue in vier Teile zerbrach (Spencer war am Steuer eingeschlafen), ließ er es flicken und gewann sogar mit reichlich lädiertem Queue noch einmal die WM, 1977. Das Besondere an Spencers Spiel – vielleicht wirklich dank seines Queues? – waren seine famosen Rückläufer, die seinerzeit nur er zweieinhalb Meter über den Tisch gleiten lassen konnte, obwohl mit viel trägeren Bällen gespielt wurde als heute. Sie waren seine schärfste Waffe, er konnte den Gegner gleichzeitig schocken und mächtig in die Enge treiben.

1991 zog sich Spencer aus dem Snookergeschehen zurück, weil er an Muskelschwäche erkrankte. Als bei ihm 2003 Magenkrebs diagnostiziert wurde, entschied sich Spencer gegen Anraten der Ärzte gegen eine Chemotherapie. Auch wenn ich nur noch zwölf Monate zu leben habe, sterbe ich wenigstens glücklich, sagte er. Es wurden weit mehr als zwölf Monate: Spencer starb 2006 im Alter von 71 Jahren.

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