Start Spieler Die Mark Selbys Geschichte und der Wunsch seines Vaters – Snooker Legenden

Die Mark Selbys Geschichte und der Wunsch seines Vaters – Snooker Legenden

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Die Mark Selbys Geschichte und der Wunsch seines Vaters
Es waren bewegende Worte, die Mark Selby von seinem Vater vernahm. Ich möchte, dass du die Weltmeisterschaft gewinnst, sagte David Selby im Jahr 1999 zu seinem Sohn, bevor er für immer die Augen schloss. Der Krebs hatte ihn besiegt, doch der letzte Wunsch sollte alles verändern. Zwei Monate später wurde Mark Selby, damals 16, Snookerprofi, und 2014 schaffte er es tatsächlich: Weltmeister. Im Crucible. Im Finale gegen Ronnie O’Sullivan. Es überraschte kaum, was Selby in der Stunde des Triumphs andächtig ins Mikro raunte: Er widmete den Titel seinem Dad.

Seit dieser Stunde gehört Selby zu den Größten der Snookerszene. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Seit 2014 darf er sich Mitglied der Triple Crown nennen; die WM in Sheffield war nach dem Masters und der UK Championship der letzte große Titel, der ihm in seiner Sammlung fehlte. 2016 schaffte er sogar seinen zweiten Triumph im Crucible. Über Jahre hinweg führte er die Weltrangliste an, bei jedem Turnier galt er als Mit- oder Top-Favorit. Dabei pflegt Selby eine Spielweise, die manche seiner Kollegen als ziemlich nervtötend bezeichnen. Torturer hat ihn Ronnie O’Sullivan einst getauft, auf Deutsch bedeutet das Peiniger oder Folterknecht, weil Selby jedes aufkommende, flüssige Spiel mit seinen gnadenlosen Safetys erstickt. Als tue er alles, um seinem Gegner den Spaß zu nehmen. Ich weiß nicht, ob Mark Talent hat, sagte O’Sullivan in einem mürrischen Moment über Selby, sein Spiel ist negativ und langweilig. Der versucht keinen Ball, außer er fällt sicher.119 O’Sullivan ahnte wohl, dass er Selby mit diesen Worten unrecht getan hatte. Und so nutzte er seine Biografie, um sein eigenes Urteil zu revidieren. Ein großer Turnierspieler sei Selby, taktisch gebe es ohnehin kaum einen, der besser spiele als der Mann aus Leicester. Er bleibt an dir dran, egal wie gut du spielst, sagte O’Sullivan. Ein ausdrückliches Lob.

Selby steht für das moderne Snookerspiel. Für den professionalisierten Sport, in dem die Vermeidung von Fehlern wichtiger ist als der eine, sagenumwobene Harakiri-Stoß, der die Menschen von den Sitzen reißt. Selbys Nerven sind berüchtigt, es ist so gut wie keine Situation bekannt, in der er nicht Herr seiner Sinne war. Mit seiner Willenskraft hat er die verrücktesten Spiele gedreht. Bis der letzte Ball nicht gespielt ist, musst du mich vom Tisch kratzen, hat er gesagt. Natürlich musste Selby auch Niederlagen einstecken, etwa im Halbfinale des Masters 2015, als er 0:6 gegen Neil Robertson unterging. Das sind Tage, an denen Selby nicht schafft, das eigene Spiel durchzudrücken. Doch es sind seltene Tage.

Es gibt darüber hinaus noch den anderen Mark Selby: den witzigen. Er mag der nervenstarke, gnadenlose Spieler sein, der nur äußerst selten zu Fehlern neigt. Aber er tut es stets mit einem Lächeln im Gesicht. Selbys Spiele können sehr charmante Momente haben, wenn sein Spitzname mit ihm durchgeht: Der Jester from Leicester wird er genannt, der Narr von Leicester. Richard Beare, der Master of Ceremony in Sheffield, hat ihn einst so getauft. Beispiel gefällig? Einmal, da war der Schiedsrichter Jan Verhaas Selby zu nahe gekommen. Der weiße Spielball lag inmitten eines Pulks roter Kugeln an der kurzen Bande. Selby ging in die Knie, um besser anvisieren zu können; der Schiedsrichter wollte den Überblick behalten und ging direkt neben Selby in die Knie. Als sich Verhaas in einer weiteren Denkpause wieder direkt neben Selby stellte, bot ihm Selby sein Queue an. Als wollte er fragen: Hier, willst du nicht den Stoß machen?

So ist das bei Mark Selby. Ein jeder Zuschauer kann sich glücklich schätzen, im Publikum zu sitzen, wenn Selby in Blödellaune gerät. Dann klaut Selby dem Schiedsrichter die Brille, oder er legt sich auf einer Werbebande ab, um die Wartezeit bis zum nächsten Stoß zu überbrücken, so geschehen beim German Masters. Auch wischt er sich zum Schein angeekelt über seine Weste, weil im Publikum in einer der unteren Stuhlreihen zuvor jemand geniest hat. Bei YouTube gibt es minutenlange Zusammenschnitte der besten Szenen.

Der Brite selbst kann es nur bedingt nachvollziehen. Keine Ahnung weshalb. Aber irgendwie bringe ich die Leute zum Lachen, hat Selby über seine eigene Witzigkeit gesagt. Weggefährten bezeichnen Selby als lustigsten Typen auf der Snooker-Tour. Er selbst sagt von sich, er habe natürlich stets ein paar Witze auf Lager – jedoch nicht unbedingt die guten.