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Die Rolle von Barry Hearn für die Sportart Snooker

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Die Rolle von Barry Hearn für die Sportart Snooker
Was Barry Hearn für den Profi-Snookersport ist, da gehen die Meinungen auseinander. Er hat den Kneipensport wach geküsst, raus aus der Nische geführt, sagen die einen. Sie nennen Hearn Snookers Mister Big, den mächtigen Barry. Er hat die Sportart verkommerzialisiert und verkauft, sagen die anderen. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Barry Hearn, geboren 1948, ist ein britischer Unternehmer und Sportpromoter, der weit verbreiteten Sportarten, die jedoch ohne erkennbare Profiszene auskommen, auf die Fernsehbildschirme verhilft. Mit Boxen und Snooker fing alles an, später kamen Bowling, Darts, Angeln oder Poker dazu. König des Kneipensports16 wird der stets braun gebrannte Hearn genannt.

Die neue Zeitrechnung im Snooker begann 2009, als Hearn im großen Stil in die Sportart einstieg. Oder besser: als er die Sportart komplett übernahm. Er wurde als Nachfolger von Rodney Walker zum Vorsitzenden der Worlds Professional Billiards And Snooker Association gewählt (WPBSA), parallel organisierte er mit seiner Firma Matchroom Sport bereits seit den Achtzigern einen Großteil der Vermarktung. Fünf Leidensjahre hatte Snooker da hinter sich, da 2004 mit Embassy der Hauptsponsor abgesprungen war und niemand mehr Geld in die Sportart stecken wollte. Selbst die besten Spieler sorgten sich um ihren Lebensunterhalt, weil die Anzahl der großen Turniere so drastisch gesunken war. Nach der großen Zeit [den Achtzigern und Neunzigern] wurde Snooker einfach schlecht promotet, sagte Hearn: Das Management war faul und zufrieden. So stand die Tür für mich offen. Hearns Maßnahmen waren radikal, und so sagte Ronnie O’Sullivan: Zuerst verstand ich gar nicht, was er mit meinem Sport anstellte. Ich dachte, er wollte uns veralbern. Dabei hätte O’Sullivan wissen müssen, dass Hearn gründlich zur Sache geht. Hearn war sein erster Manager. Als dieser den kleinen Ronnie unter Vertrag nahm, war dieser gerade zwölf Jahre alt. Zuvor hatte er bereits Steve Davis entdeckt – keine schlechte Bilanz.

Mit deutlich mehr Turnieren wollte Hearn Snooker zukunftsfähig machen. Er wollte neue Märkte erschließen, das bedeutete mehr Reisen für die Spieler, die dafür aber auch mehr Geld verdienen sollten. Die Pläne wurden skeptisch beäugt, weil viele Spieler gerade auf dieses anstrengende Leben aus dem Koffer wenig Lust hatten. Sie mussten sich sogar verpflichten, vor Beginn der Turniere Autogramme zu schreiben und dafür extra früher anzureisen. Etwas mehr Geld im Portemonnaie und finanzielle Planungssicherheit reizten sie aber dann doch, und so setzte Hearn sich durch. Binnen sechs Monaten erhöhte er die Anzahl der Ranglistenturniere von acht auf 27. Er sättigte den Markt, was ihm eine starke Verhandlungsposition bescherte. Kamen also die Asiaten und wollten ein neues Turnier in den Kalender aufnehmen, konnte Hearn den Preis bestimmen.

Es war Hearn, der die Sportart auf den asiatischen Markt führte. Dass es in Shanghai mittlerweile mehr Snookerhallen gibt als im Rest der Welt, ist auch sein Verdienst. Hearn führte die kleinere PTC-Serie ein, die vor allem aufstrebenden Spielern eine gute Möglichkeit bot, Turnierpraxis zu sammeln. Und er schaffte eine gerechtere Weltrangliste. Die Topspieler arrangierten sich nach und nach damit, dass sie fortan weniger zu Hause sein würden. Je länger Hearn das Sagen hatte, desto mehr Fehler im System bügelte er aus, urteilte O’Sullivan. Die Spieler merkten: Die Preisgelder stiegen. Viel mehr Profis als früher konnten von ihrem Sport wirklich leben. Ein großes Dankeschön an Barry, sagte einst Stephen Lee. Es war unmöglich, nur sechs Turniere im Jahr zu spielen. Das war ein unglaublicher Druck, der jedes Mal herrschte. Dank Hearn sei das Spiel in einer großartigen Verfassung. Ähnlich reden sie in anderen Sportarten, die Hearn groß gemacht hat. Phil Taylor, der vielfache Darts-Weltmeister, nannte ihn einmal den Promoter des Volkes, Steve Davis attestierte ihm diesen Enthusiasmus, der abfärbt. Hearn habe dem einfachen Mann auf der Straße mehr Sportunterhaltung gebracht als irgendjemand anders.

Sein Sohn Eddy sagte einst über Barry Hearn: Er kommt immer wieder mal mit einer hirnrissigen Idee, und du lachst ihn aus. Aber dann denkst du irgendwann darüber nach und kommst zu dem Schluss: Hey, es könnte funktionieren. Eddys Geburt verpasste Hearn übrigens: Er musste gerade ein Snooker-Turnier veranstalten.