Start Spieler Die Shaun Murphys Geschichte und die Schokolade – Snooker Legenden

Die Shaun Murphys Geschichte und die Schokolade – Snooker Legenden

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Die Shaun Murphys Geschichte und die Schokolade
Ob Shaun Murphy zu den größten Snooker-Profis gehört? Ganz bestimmt. Unvergessen, wie er im Jahr 2005 die gesamte Weltelite düpierte und als spitzbübischer Emporkömmling mit gerade 22 Jahren die WM in Sheffield gewann. Als Nummer 48 der Welt war der Brite ins Turnier gegangen, am Ende gewann er das Finale 18:16 gegen Matthew Stevens. Während er die letzten Kugeln spielte, umarmten sich oben auf der Tribüne bereits sein Vater und seine damalige Verlobte. Auch Murphy unten am Tisch konnte es nicht fassen. Nie und nimmer hatte er selbst mit diesem Erfolg gerechnet, er war doch nur ein Jungspund, dem man seine Jugendlichkeit mit seinen Pausbäckchen zweifellos ansah. Nun war er Weltmeister. Weltmeister!

Es ist viel darüber geschrieben worden, ob dieser Titel für Murphy nicht zu früh gekommen sei – ob das nicht Zufall gewesen sei, damals 2005 im Crucible. Murphy nervten diese Fragen sehr, doch er hatte tatsächlich einige Jahre seine Mühe, sich als Spitzenspieler zu behaupten. Seine Schwächen im taktischen Spiel waren manchmal frappierend, er hatte Phasen, in denen nichts mehr klappte. Ganz besonders schlimm in der Zeit ab 2011, als er über drei Jahre kein großes Turnier mehr gewinnen sollte. Murphy verzweifelte, spielte offen mit seinem Rücktritt. Ob er nicht lieber Trainer werden sollte, fragte er sich. Es war einfach so, dass ich im Training zwar sehr akribisch gearbeitet und insgesamt sehr viel trainiert habe, aber die Ergebnisse wollten sich einfach nicht einstellen. Das war sehr hart. Es war sehr schwer, positiv zu denken und es einfach immer weiter zu versuchen, sagte Murphy.

Er kämpfte weiter – und wurde belohnt. Murphy stellte sein Leben gründlich auf den Kopf. Dass er Gewichtsprobleme hatte, konnte jeder sehen, also ging es seinen Essgewohnheiten an den Kragen: mehr Obst und Gemüse, keine Schokolade mehr, als Getränk nur noch Wasser. Früher habe ich immer gegessen, wie es mir gerade ging, erzählte Murphy. Er muss sich gefühlt haben wie in der Schule, so viel lernte er in dieser Zeit über sich und seinen körper. Der Lohn: Ab 2014 stand tatsächlich ein anderer Shaun Murphy am Tisch. Deutlich schlanker, aber auch fokussierter und im Spiel mit viel weniger Fehlern als zuvor. Über kleine Turniere kämpfte er sich zurück, dann holte er beim Masters 2014 seinen fehlenden Sieg für die Triple Crown. Das letzte Mal, dass ich ihn mit so viel Freude habe spielen sehen, war bei der WM 2005, staunte sogar Steve Davis.

Murphy tut der Tour auch als Typ gut, nicht nur, weil er so erfolgreich ist. Er präsentiert sich (meistens) exzellent gelaunt und nimmt sich nach den Matches viel Zeit für die Fans. Und er nimmt sich auch am Tisch nicht zu wichtig: Gegen Ding Junhui bei den China Open erklärte er nach einem formidablen Snooker Dings offen seine Ratlosigkeit, weil er wirklich keine Chance sah, aus dieser Situation heil herauszukommen. Bei den Welsh Open 2016 gegen Luca Brecel versenkte er eine komplizierte letzte Schwarze und musste anschließend mit ansehen, wie die Weiße über vier Banden ebenfalls letztlich in die Tasche fiel. Das heißt: Murphy schaute eigentlich gar nicht zu. Sehr zur Freude des Publikums hielt er sich einfach die Augen zu.