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Die Weltmeisterschaft im Crucible Theatre – Snooker Turniere

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Die Weltmeisterschaft im Crucible Theatre – Snooker Turniere
Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Weltmeisterschaft irgendwo anders stattfindet. Da würde etwas fehlen, und es würde sich nicht wie eine Weltmeisterschaft anfühlen. Es wäre, als würde man Wimbledon Tennis wegnehmen.

Diese Hymne auf das Crucible Theatre stammt von Stephen Hendry, dem siebenmaligen Titelträger. Seinen Worten muss nur wenig hinzugefügt werden, denn das WM-Turnier im Frühjahr ist der Höhepunkt eines jeden Snookerjahres. Und das hat auch damit zu tun, dass die Weltmeisterschaft in ebenjener Halle stattfindet.

Im Zentrum von Sheffield, gleich neben einer der beiden Universitäten der Stadt, liegt das Crucible. Ein grauer Backsteinklotz mit Glasfront, über dem mit grauen Buchstaben auf weißem Grund groß CRUCIBLE prangt. Normalerweise drängt hier Theaterpublikum durch die schmalen Türen ins Innere, doch einmal im Jahr wird die enge Halle zur Kathedrale des Snookersports. Zur Faszination gehört der Umstand, dass sich nicht nur die Spieler glücklich schätzen dürfen, die bei der WM antreten, sondern auch die Zuschauer, die dabei sind. Nur 980 Menschen finden im Hauptsaal Platz, dabei könnten die Veranstalter locker ein Vielfaches der Tickets verkaufen, würde man nur in eine größere Halle wechseln, so groß ist die Nachfrage. Doch dazu kam es bislang nicht. 980 Zuschauer im Crucible, weit über 30 Millionen Fernsehzuschauer in mehr als 75 Ländern – auch aus diesen Zahlen speist sich die Einzigartigkeit, von der Hendry spricht.

So glorreich war die Vergangenheit der Snooker-WM nicht immer. In den ersten Jahren ab 1927 gewann stets nur ein Spieler die Turniere, der große Joe Davis, auch mangels echter Konkurrenz. Nach dem Krieg wurde die WM in Form von mäßig beachteten Herausforderer-Duellen ausgetragen, ehe das Interesse für einige Jahre komplett erlosch. Ab 1964 ging es wieder aufwärts, 1965 wurde eines der drei Finalduelle erstmals nicht in England, sondern in Südafrika ausgetragen, ehe die WM 1977 nach Sheffield übersiedelte. Es war der Promoter Mike Watterson, der sich auf der Suche nach einem geeigneten Spielort für die Weltmeisterschaften das Crucible ansah – übrigens auf Anraten seiner Ehefrau Carole, die dort ein Theaterstück gesehen hatte. Für die Erstausgabe versprach Watterson den Spielern ein Preisgeld von 17.000 Pfund, das ihm, nachdem er lange erfolglos nach Sponsoren gesucht hatte, schließlich ein Vertrag mit der Zigarettenmarke Embassy garantierte. Eine Eintrittskarte kostete damals 75 Pence für eine Vormittagssession, 3,50 Pfund schließlich für das Finale. Schnell wurde klar, dass Watterson einen Nerv getroffen hatte – denn die Zuschauer liebten die Halle und übertrafen die Erwartungen deutlich. Welche Heldentaten dort in den folgenden Jahren vollbracht wurden und wer das Turnier wie oft gewonnen hat, lässt sich an vielen anderen Stellen in diesem Snookerportal lesen. Hier soll es nun um eine sagenhafte Serie gehen, die niemand so recht erklären kann: den Fluch des Crucible.

Viele Weltmeister hat die Snookerwelt im Crucible gesehen – doch keiner von ihnen hat seinen ersten Titel verteidigen können. Wer im einen Jahr triumphierte, versagte im Jahr darauf in zuverlässiger Manier. Was in der englischsprachigen Literatur als crucible curse bezeichnet wird, heißt im Deutschen Fluch: Als wäre es einem Spieler tatsächlich unmöglich, das Turnier im Jahr nach dem ersten Triumph erneut zu gewinnen. Ich weiß nicht, warum es unmöglich ist. Aber ich weiß, dass es unmöglich ist, hat John Higgins gesagt. Oftmals erging es den Titelverteidigern besonders schlecht: Terry Griffiths (1980), Steve Davis (1982), Dennis Taylor (1986), Graeme Dott (2007), Neil Robertson (2011) und Stuart Bingham verloren im darauffolgenden Jahr gar ihre Auftaktmatches. Nur Joe Johnson (1987) und Ken Doherty (1998) standen kurz davor, den Fluch zu brechen, sie verloren ihre Endspiele. Zwar konnten einzelne Spieler zweimal oder sogar mehrmals nacheinander die WM gewinnen, Steve Davis etwa oder Stephen Hendry, der sogar fünfmal in Serie siegte. Es war jedoch nie ihre erste Titelverteidigung, die ihnen gelang.