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Ein Interview mit dem Deutschen Snooker Star Rolf Kalb

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Ein Interview mit dem Deutschen Snooker Star Rolf Kalb
Das Snooker für Rolf Kalb ist so herrlich gegen den Zeitgeist gebürstet Herr Kalb, sind Sie ein beharrlicher Mensch?

Puh, das müssen andere beurteilen.

Was Snooker angeht, haben Sie langen Atem bewiesen. Wie waren die Anfänge, als Eurosport das Experiment Snooker wagte?

Als ich 1989 bei Eurosport anfing, hatten meine ersten Sendungen gar nichts mit Snooker zu tun. Aber als Snooker ins Programm kam, war schnell klar, dass ich das übernehmen sollte. Schließlich hatte ich während des Studiums als Pressesprecher der Deutschen Billard-Union gejobbt. So viele deutsche Journalisten kannten sich damals gar nicht im Snooker aus. Ich hatte das Monopol.

Aber Sie konnten kaum davon ausgehen, dass Snooker einmal Ihr Leben bestimmen würde.

Diese Entwicklung war absolut nicht vorauszusehen. Nicht in diesem Umfang.

Viele Turniere durften sie anfangs nicht kommentieren.

Wir hatten erheblich weniger Übertragungen als heute. Mal ein großes Turnier, mal die damalige European League. Wir haben nur punktuell berichtet. Intensiv wurde es erst ab 2003.

Als klar wurde, dass Snooker in Deutschland auf Interesse stößt?

Das war schon in den Neunzigern zu merken, bei den Übertragungen der European League, oder beim einen oder anderen deutschen Weltranglistenturnier. Die haben sich damals zwar nicht durchsetzen können, auch weil sie PR-mäßig schlecht organisiert waren. Aber das Interesse war da.

Weshalb haben die Leute eingeschaltet – wegen Hendry und O’Sullivan?

Auch, aber nicht nur. Ich denke, die Leute haben eingeschaltet, weil sie ein echtes Interesse am Spiel hatten. Das ist ja bis heute noch so.

Woher rührt dieses Interesse am Spiel?

Snooker ist ein faszinierender Sport, aber man muss ihm beim Durchzappen schon ein bisschen Zeit geben, mehr als ein paar Sekunden. Snooker kann eine Abfolge vieler kleiner Dramen sein, die sich zu einem grandiosen Spannungsbogen vereinen. Snooker ist zudem wie fürs Fernsehen gemacht.

Auch wenn die Übertragungen sehr lange dauern können.

(lacht) Ja, das weiß ich wohl. Snooker ist ein Sport, der gegen den Zeitgeist gebürstet ist. Die Bildsprache ist ruhig, nicht sonderlich actiongeladen. Snooker strahlt diese Ruhe aus.

Andere Sportarten werden in Deutschland nur geguckt, wenn deutsche Sportler vorne mitmischen.

Was haben wir denn im Tennis erlebt, zu Zeiten von Boris Becker, Steffi Graf, Michael Stich? Da wurde ganz Deutschland zu einer Tennisnation, es gab einen Boom ohnegleichen …

… ähnlich im Radsport, als Jan Ulrich auftauchte.

Irgendwann waren die Karrieren der Protagonisten vorbei, und das Interesse brach ein. Es ist eine ungesunde Entwicklung, wenn nur ein Sportler ein künstliches Interesse generiert. Deswegen sage ich: Die Entwicklung des Snookers in Deutschland ist gesund. Es gibt eine stabile Basis.

Und was würde passieren, wenn es ein deutscher Snookerprofi in die Weltspitze schafft?

Das mediale Echo wäre riesig. Und jeder, der hierzulande mit Snooker zu tun hat, würde sich sehr darüber freuen.

Aber kommt es jemals dazu? Für die bislang besten deutschen Spieler, Lasse Münstermann oder Patrik Einsle, war der Schritt zu groß.

Lasse Münstermann hatte sich Anfang der 2000er qualifiziert, sagt aber selbst, er sei damals noch nicht reif genug gewesen. Patrick Einsle hatte mehrfach die Chance, aber er konnte sich in der Profiwelt nicht zurechtfinden. Das darf man nicht unterschätzen. Es geht nicht nur darum, gut mit dem Queue umzugehen. Das ist ein sehr spezielles, manchmal einsames Leben, in England während der Qualifikation für ein Turnier in einem einfachen Hotel zu sitzen.

Das große Problem ist, sich mental zu etablieren.

Das muss man erst mal schaffen. Wir erleben im Snooker häufig, dass die Qualifikation für die Main Tour der erste Schritt ist, sich viele dort aber schwertun. Es gibt viele dieser Fahrstuhlspieler. Sie spielen zwei Jahre, fallen wieder aus dem Ranking, kehren irgendwann zurück. Das sind Wanderer zwischen den Welten, zwischen Amateuren und Profis.

Was trauen Sie Lukas Kleckers zu, dem besten Deutschen?

Lukas hat das Zeug, es bei den Profis zu schaffen. Er stand schon mehrfach kurz vor dem Sprung auf die Main Tour. Ob er sich dann durchsetzen kann, ist eine andere Frage.

Tun sich deutsche Spieler schwerer als englische?

Die Strukturen sind mit England kaum zu vergleichen. Dort gibt es Millionen Spieler. Daraus resultiert ein intensiveres Turniersystem, League-Matches jedes Wochenende. Wer jede Woche gegen starke Gegner spielt, der wächst daran.

In Deutschland ist alles kleiner, weniger professionell.

Von englischen Verhältnissen sind wir sehr weit weg. Aber die Deutsche Billard-Union hat auch nicht so viele Möglichkeiten. Ein Spieler wie Lukas ist in Deutschland der große Fisch in einem Meinen Teich. Wenn es aber um die Main Tour geht, ist er plötzlich ein sehr kleiner Fisch in einem großen Teich, in dem es auch viele große Fische gibt, die auch noch sehr gefräßig sind.

Was ist Snooker heute für Sie? Sie müssen Autogramme schreiben, wohin Sie kommen.

Das ist schön, wenn jemand ein Foto haben will. Aber ich bewerte mich da nicht über. Das Wichtigste ist, was auf dem Tisch passiert. Ein Rolf Kalb kann da höchstens eine ergänzende Rolle spielen.

Die bekannteste Figur im deutschen Snooker sind aber Sie.

Dann hoffen wir mal, dass sich das bald ändert.