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Ray Reardon suchte sein Queue per Inserat – Snooker Legenden

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Ray Reardon suchte sein Queue per Inserat – Snooker Legenden
Snookerspieler haben stets eine spezielle Beziehung zu ihrem Queue. Ihr Spielgerät ist heilig, sie glauben sogar, nur mit diesem einen Stück Holz ihre besten Leistungen abrufen zu können. Es muss also traumatisch gewesen sein, als dem vielfachen Weltmeister und langjährigen Weltranglistenersten Ray Reardon während einer Südafrikatour sein Queue gestohlen wurde. Der verzweifelte Reardon schaltete in einer Tageszeitung ein Inserat, in dem er den Dieb um Rückgabe bat. Und tatsächlich: Tags darauf wurde sein Queue anonym an der Bürotür zur Redaktion abgegeben.

Ohne diesen Glücksfall hätte Reardon, Spitzname Dracula, seine lange Karriere vielleicht frühzeitig beendet – so war er von 1967 bis 1992 ununterbrochen auf der Profi-Tour unterwegs. Reardon hat beide Seiten des Sports erlebt, die wilden Sechziger und Siebziger, aber auch die Achtziger und frühen Neunziger, in denen sich der Snookerzirkus in rasender Geschwindigkeit professionalisierte. Reardon machte nie einen Hehl daraus, dass ihm die alten Zeiten viel lieber waren – als alles nicht so ernst genommen wurde und die Manager noch nicht gänzlich das Sagen hatten. Reardon dominierte die Siebziger, wurde sechsmal Weltmeister. Als der Weltverband 1976 die Weltrangliste einführte, wurde er auf Position eins gesetzt. Fünf Jahre lang stand er ununterbrochen an der Spitze. Seine starken Nerven waren legendär.

Woher er diese hatte? Die Küchenpsychologie fällt in Reardons Fall leicht, denn vor seiner Karriere war er als Grubenarbeiter einmal stundenlang verschüttet. Wer so etwas überlebt hat, den schockt kein Ereignis am Snookertisch mehr. Reardon wurde befreit und schwor sich, sein Leben neu zu ordnen – also wurde er Snookerprofi. Von dieser Entscheidung sollte sogar noch Ronnie O’Sullivan profitieren, dem Reardon während der WM 2004 als Mentor zur Seite stand. O’Sullivan holte damals seinen zweiten Titel, obwohl er unter starken psychischen Problemen litt. O’Sullivan sagt bis heute, er hätte es ohne Reardon niemals geschafft.