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Snooker in Deutschland begann in Hannover

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Snooker in Deutschland begann in Hannover
Die schöne Stadt Hannover hat, was Billard und Snooker in Deutschland betrifft, gleich zweimal eine Pionierrolle übernommen. Im Jahr 1818, als das Fürstentum Hannover noch zu England gehörte, wurde hier der erste Billardverein im deutschsprachigen Raum gegründet, die frühere Gründung eines anderen Vereins ist jedenfalls nicht überliefert. Die Sportart wuchs langsam, obwohl es lange keinen eigenen Verband gab. Damalige Spitzenspieler wie Albert Poensgen oder Hellmut Kux mussten entweder selbst die Turniere veranstalten – oder sich benachbarten ausländischen Verbänden anschließen, um an internationalen Turnieren teilnehmen zu können. Erst am 18. April 1911, fast hundert Jahre später, wurde die Deutsche Billard-Union (DBU) gegründet.

Ganz ähnlich dann im Snooker, wenn auch anderthalb Jahrhunderte später. 1927 wurde in England die erste Weltmeisterschaft ausgetragen, doch es dauerte bis in die frühen Achtzigerjahre, ehe das Spiel nach Deutschland kam. Britische Soldaten ließen erste Tische aufstellen, da sie – obwohl im bis dahin snookerfreien Deutschland stationiert – nicht auf ihren liebsten Zeitvertreib verzichten wollten. Das Spiel fand auch unter den Einheimischen schnell Fans, und so wurde am 4. Januar 1985 der erste Verein gegründet: der 1. DSC Hannover. 1999 stiegt der Klub in die relativ frisch gegründete Bundesliga auf, es folgten Ab- und Aufstiege, ehe dem 1. DSC schließlich der große Coup gelang: 2015 gewann das Team die deutsche Meisterschaft.

Ab 1987 wurde Snooker in Deutschland im Dachverband DSKV (Deutscher Snooker Kontroll Verband) organisiert, der sich 1999 aber mit der Deutschen Billard-Union (DBU) vereinigte. Immer mehr Turniere wurden veranstaltet, das erste offizielle Maximum Break auf deutschem Boden schaffte 1994 der Brite Mike Henson bei den Gifhorn Open – wiederum nicht weit von Hannover entfernt. Danach wurden im Zweijahresrhythmus die nötigen Meilensteine gesetzt: 1995 fand mit den German Open das erste Ranglistenturnier in Frankfurt statt, das John Higgins gewann. 1997 wurden Thomas Hein, der spätere Bundestrainer, und Natascha Niermann die ersten Deutschen Meister im Einzel. Ab 1999 wurde die Bundesliga als höchste Spielklasse etabliert, als erster Mannschaftsmeister durfte sich der PSV Duisburg feiern.

Weil die Sportart in Deutschland stetig wächst
Um es einmal klarzustellen: In England, dem Mutterland des Snookers, wo die großen Turniere gespielt werden und die größten Stars zu Hause sind, schrumpft Snooker. Es gibt immer noch sehr viele Spieler und sehr viele Tische, aber mancherorts müssen die Billard- und Snookerclubs schließen. Die beeindruckende Zahl, dass in England sechs Millionen Menschen aktiv Snooker spielen – sie stimmt längst nicht mehr, auch wenn sie der Profi-Weltverband WPBSA gerne verbreitet.

In Deutschland hingegen wächst Snooker. Es wird zwar nie so sehr wachsen, dass es den englischen Markt überholen könnte, aber die Sportart vergrößert sich sukzessive. Fast überall im Land werden Tische aufgebaut, rund 1.500 sind es Anfang 2016, 400 Prozent mehr als noch 2006. Zwischen 8.000 und 10.000 Spieler stehen mindestens einmal pro Monat am Tisch, rund 5.000 von ihnen gelten als regelmäßige Spieler. Noch ein wichtiger Indikator: Das Starterfeld bei den Turnieren wird immer jünger. Damit ist Snooker immer noch eine Randsportart, zum Vergleich: Fast sieben Millionen Deutsche sind in Fußballvereinen angemeldet, beim Tennis sind es auch anderthalb Millionen. Aber eine Randsportart, die etwas aus sich macht.

Gespielt wird Snooker vor allem in den Ballungsgebieten: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen, in den großen Millionenstädten, oder in den kleineren, deren Teams in der Bundesliga aktiv sind. Nur wenige rote Flecken gibt es auf der Landkarte, also Gebiete, in denen überhaupt kein registrierter Snookertisch in irgendeiner Kneipe steht. Die meisten dieser roten Flecken gibt es in Mecklenburg-Vorpommern.

In den meisten Nationen ist Snooker ein Individualsport, bei denen einzelne Spieler gegeneinander antreten, die sich bestmöglich alleine oder mit einem Trainer auf Turniere vorbereitet. Deutschland ist das einzige Land mit einem Liga-Mannschaftssystem. Von der Bundesliga bis zur Bezirksliga wird in Teams gespielt. Wer Meister wird, hat das Nonplusultra erreicht, denn es gibt keinen Europapokal wie im Fußball, bei dem nationale Spitzenteams gegen Spitzenmannschaften aus anderen europäischen Ländern antreten könnten. Die Europameisterschaft ist Einzelspielern vorbehalten, allerdings gibt es auch eine Team-EM, bei der Länder gegeneinander antreten. Deutschland gehört hier zu den Top-Nationen. 2007 konnte das deutsche Team mit Lasse Münstermann, Sascha Lippe und Itaro Santos im belgischen Gent den Titel holen.

Nur eine Profiszene wird sich in Deutschland wahrscheinlich nie entwickeln. Keine Chance, sagt Thomas Hein, der deutsche Bundestrainer. Wer Berufssportler werden will, ist komplett auf sich selbst angewiesen, weil die chronisch klamme Deutsche Billard-Union (DBU) kein Geld hat, um Spieler zu unterstützen. 2012 konnte der Verband die Insolvenz nur knapp abwenden, indem die Mitgliedsbeiträge drastisch erhöht wurden. Hier hat man andere Aufgaben. Möchte jemand Profi werden, führt kein Weg dran vorbei, Deutschland zu verlassen und nach England zu gehen, sagt Hein. Snooker ist in Deutschland ein Amateursport.

Gibt es die Snooker-Bundesliga
Die deutsche Snooker-Bundesliga ist verdammt jung. Erst 1999 wurde die erste Meisterschaft ausgetragen – da war das Jahrhundertmatch zwischen Dennis Taylor und Steve Davis schon 14 Jahre passe. Da war auch Ronnie O’Sullivans schnellstes Maximum in fünf Minuten und 20 Sekunden schon zwei Jahre alt. Die Snookerszene in Deutschland schlief noch, als sich in England die größten Dramen abspielten.

Acht Mannschaften tummeln sich heute in der Bundesliga, an 14 Spieltagen werden Meister sowie Absteiger ermittelt; jedes Team muss sieben Mal zu Hause ran, sieben Mal auswärts. Acht Einzelpartien werden gespielt, es gilt der Modus Best-of-five. In der Premierensaison wurde es eine ziemlich deutliche Angelegenheit: Der PSV Duisburg holte 1999 den Titel mit satten acht Punkten Vorsprung, vor Kaufbeuren und Wiedenbrück. In der zweiten Saison wurde das Teilnehmerfeld kräftig durcheinandergewürfelt, die Liga einmalig auf zwölf Teams aufgestockt, mit überraschendem Ausgang: Meister wurde Neuling Rüsselsheim, vor den Neulingen aus Bielefeld und Essen. Gleich vier Teams mussten absteigen, so dass das Starterfeld im kommenden Jahr zehn, danach wieder acht Mannschaften betrug.

Kaufbeuren schwang sich vorübergehend zur Macht im deutschen Mannschaftssnooker auf. Nach 2000/01 und 2001/02 gelang dem Team 2004/05 der dritte Meistertitel, allerdings denkbar knapp vor den Barmer Billardfreunden, die bei gleicher Punktzahl am Ende lediglich drei Partien weniger gewonnen hatten. Bald darauf begann die Regentschaft der Wuppertaler, die – anfangs noch unter dem Namen Barmer Billardfreunde – von 2008 bis 2013 gleich sechs Meistertitel am Stück holen konnten (mehr dazu im nächsten Grund). Erst 2013 konnte der BC Stuttgart, übrigens ebenfalls als Aufsteiger, die Übermacht der Wuppertaler beenden. Das Kunststück gelang im Jahr darauf auch dem 1. DSC Hannover, der als Aufsteiger alle übertölpelte und in einem dramatischen Saisonfinale dem Favoriten aus Essen noch den Meistertitel entriss.

Das zeigt bereits: Ganz leicht einzuschätzen sind die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga vor einer neuen Spielzeit nicht. Viele Teams müssen um ihre finanzielle Existenz kämpfen, sind auf einzelne Geldgeber angewiesen. Zieht sich dieser zurück, kann das Niveau einer Mannschaft schnell sinken. Oft ist sogar Schluss mit Bundesliga-Snooker. Andererseits können einzelne neue Spieler die Stärke einer Mannschaft, die bislang eher gegen den Abstieg spielte, deutlich heben. Das Niveau ist von Mannschaft zu Mannschaft sehr unterschiedlich, sagt etwa Lukas Kleckers, der für Essen spielt und 2014 Deutscher Meister wurde: Wie Bayern gegen Augsburg im Fußball, da gibt es beim Snooker eine ähnliche Rollenverteilung. Was jedoch anders ist als bei Bayern gegen Augsburg: In der Snooker-Bundesliga sitzen manchmal nur zehn bis 20 Zuschauer in der Halle. Und es berichten auch nicht die großen Fernsehanstalten, sondern höchstens die Lokalzeitung.