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Wird das Snooker eine Olympische Sportart und wann

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Wird das Snooker eine Olympische Sportart und wann
Die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 werden ohne die besten Bällelocher des Planeten auskommen müssen. Billard (und damit auch Snooker) hat es nicht in die engere Auswahl jener Sportarten geschafft, die sich um die Aufnahme ins Olympische Programm 2020 bewerben dürfen. Das ist wenig dramatisch, schließlich hat selten ein Kandidat, der den Bewerbungsprozess zum ersten Mal durchlaufen hat, sofort den Zuschlag erhalten. So kann der Snooker-Betrieb die Zeit nutzen, sich klar zu werden, was Olympia der Sportart eigentlich bringen würde.

Für manche wäre Snooker bei Olympia ein Traum, und eine logische Konsequenz. Snooker wird, wie der Profiverband WPBSA stolz vorrechnet, weltweit von einer halben Milliarde Menschen verfolgt, in mehr als 90 Ländern wird der Sport nach Verbandsangaben betrieben. Zudem ist der Sport nachgewiesenermaßen fernsehtauglich, was beim IOC stets ein wichtiges Kriterium ist. Wir glauben schon seit einiger Zeit, dass wir unsere Chance auf der ultimativen Weltbühne des Sports bekommen sollten, sagt Jason Ferguson, der Vorsitzende des Billard-Weltverbands WCBS. Er ist der Meinung, dass Snooker dem olympischen Programm guttun würde.

Andererseits muss die Frage lauten: Würde Olympia auch Snooker guttun?

Auf Amateurebene gewiss, bei den Frauen wie bei den Männern. Die meisten Amateurverbände der Länder klagen über große Finanznöte. Ihnen würden die Fördergelder des IOC schlagartig neue Möglichkeiten eröffnen. Die Profitour der Männer braucht Snooker jedoch nicht unbedingt. Sie funktioniert auch ohne den Olympia-Status gut; das Turnier wäre nur ein weiterer Termin im ohnehin proppenvollen Kalender, auch wenn der Reiz für die Spieler groß wäre, der erste Olympiasieger im Snooker zu sein. So überschlägt sich die Stimme von Barry Hearn, dem Vorsitzenden des Profiverbands WPBSA, nicht gerade, wenn es um die olympischen Aussichten geht. Auch Ronnie O’Sullivan sagt, er finde nicht, dass Snooker ein olympischer Sport ist. Kritiker merken zudem an, dass Snooker zwar auf dem europäischen und asiatischen Markt eine große Nummer sei. In Afrika oder Südamerika werde hingegen kaum gespielt. Kritikpunkt Nummer zwei: Snooker wird in der Profi-Weltspitze ausschließlich von Männern betrieben. Das steht im Widerspruch zu den Wünschen und Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Von der Absage für Tokio 2020 will sich der Billard-Weltverband nicht entmutigen lassen. Er hat bereits weitere Bewerbungen für 2024 oder 2028 angekündigt, ob Barry Hearn seine Meinung allerdings noch einmal ändern wird, ist ungewiss. Für seine zweite Herzenssportart, Darts, hat er vom IOC einen heftigen Korb bekommen, da sich das Komitee nur schwerlich vorstellen konnte, eine Partysportart, bei der das Publikum Bier in sich hineinschüttet, ins olympische Gewand zu kleiden. Die wichtigen Männer beim IOC gehören seitdem nicht gerade zu seinen besten Freunden.