Ben Woollaston: Comeback im Crucible, Familienglück und neue Ziele in der Snooker-Saison

Ben Woollaston – Zwischen Triumph und Familie

Es gibt diese Momente im Leben eines Sportlers, die weit über den reinen Wettbewerb hinausgehen. Für Ben Woollaston war seine Rückkehr ins Crucible Theatre im Frühjahr 2023 genau so ein Moment. Zehn Jahre nach seinem ersten Auftritt in dieser ehrwürdigen Arena stand er wieder auf der Bühne, von der so viele Snookerträume geboren – und zerschmettert – werden. Diesmal war es anders. Diesmal war er nicht mehr der junge Außenseiter, sondern ein Mann mit Erfahrung, mit Familie – und mit einem unbändigen Willen, sich selbst und der Snookerwelt zu beweisen, dass er noch dazugehört.

Ein Jahrzehnt zwischen Debüt und Rückkehr

„Ich konnte mich kaum noch erinnern, wie sich mein erstes Mal im Crucible angefühlt hat“, sagt er heute mit einem leichten Lächeln. „Damals war ich nervös bis ins Mark, ich war kaum in der Lage, mein Spiel zu zeigen. Dieses Mal war ich besser vorbereitet – aber natürlich waren die Nerven trotzdem da. Ich hätte nie gedacht, dass zehn Jahre zwischen zwei Auftritten vergehen würden.“

Und als hätte das Schicksal ein Gespür für Dramaturgie, wurde ihm in der ersten Runde ausgerechnet Mark Selby zugelost – Landsmann, Freund, Trainingspartner aus alten Tagen. Ein Gegner, den man kennt, aber auch fürchtet. „Mark ist wahrscheinlich der beste Spieler des letzten Jahrzehnts. Er begann mit einer Century, und kurz dachte ich: Das wird übel.“ Doch Woollaston blieb ruhig, kämpfte sich in die Partie und blieb nach der ersten Session in Schlagdistanz. „Ich wusste: Wenn ich in der Safety mit ihm mithalten kann, dann habe ich eine Chance.“

Er nutzte diese Chance – und feierte einen der größten Siege seiner Karriere. „Vielleicht sogar den bedeutendsten“, sagt er. „Nicht nur, weil ich Mark im Crucible geschlagen habe, sondern weil meine Kinder alt genug waren, es mitzuerleben. Ich werde diesen Tag nie vergessen.“

Magie und Frust – das Wechselspiel von Sheffield

Doch der Zauber verflog schnell. In Runde zwei wartete Si Jiahui – jung, furchtlos, hungrig. „Ich habe gut gespielt in der zweiten Hälfte, aber ich habe in der ersten zu viele Frames verschenkt“, resümiert Woollaston. Besonders bitter: Der Sieger durfte gegen Ronnie O’Sullivan antreten. „Gegen ihn im Crucible zu spielen – mehr geht nicht. Leider war ich es nicht.“

Ein Familienmoment, der unter die Haut geht

Was diese Woche in Sheffield besonders machte, war nicht nur der sportliche Erfolg. Es war die Tatsache, dass seine Frau Tatiana – selbst internationale Schiedsrichterin – ebenfalls vor Ort war. Und nicht nur das: Sie leitete das Match, in dem Mark Allen ein 147er-Break spielte. „Unser ältester Sohn Edward war dabei, sah jedes Frame gegen Selby – und sah auch das Maximum seiner Mutter. Das war magisch für ihn – und für uns alle.“

„Meistens bleibt Tatiana länger bei Turnieren als ich“, sagt Ben schmunzelnd. „Wenn ich länger bleibe, heißt das: Ich habe ein richtig gutes Turnier gespielt.“

Ein neuer Saisonstart mit alten Zielen

Mit Rückenwind startete er in die neue Saison – und die ersten Resultate gaben Grund zur Hoffnung: Qualifikation für Wuhan, Qualifikation für die British Open. „Ich glaube, mein Spiel ist aktuell so stark wie seit Jahren nicht mehr. Ich will konstant gut spielen, unter die Top 32 zurückkehren – und vielleicht auch mal ein Turnier gewinnen. Das wäre mein Traum.“

Vom Snookertisch zur Kaffeebar – eine kleine Leidenschaft am Rande

Abseits des Snookers hat Woollaston eine eher ungewöhnliche Leidenschaft: guten Kaffee. „China war da eher enttäuschend“, lacht er. „Aber in Riyadh – unglaublich gute Cafés! Ich hoffe, Jeddah ist ähnlich.“ Kurios: Wegen der Hitze ging er dort nachts um 23 Uhr Kaffee trinken. „In England ist da alles zu.“ Und sein Lieblingskaffee? „Die besten Bohnen hatte ich aus Honduras. Vielleicht spielen wir ja irgendwann mal ein Turnier dort.“

Ein leiser Held, der nie aufgegeben hat

Ben Woollaston ist keiner, der viel Lärm um sich macht. Aber wer genau hinschaut, erkennt: Hier steht ein Spieler, der seinen Weg mit Geduld, Leidenschaft und Würde geht. Der Siege feiert, aber auch Rückschläge reflektiert. Der Vater ist, Ehemann – und immer noch: ein gefährlicher Gegner am Tisch.

FAQ

Wer ist Ben Woollaston?

Ben Woollaston ist ein englischer Snookerprofi aus Leicester, der 2003 seine Profikarriere begann. Sein größter Karrierehöhepunkt war das Erreichen des Finales der Welsh Open im Jahr 2015. Im Jahr 2023 schaffte er ein beeindruckendes Comeback beim Crucible-Weltmeisterschaftsturnier in Sheffield.

Wie lief Woollastons Rückkehr ins Crucible Theatre 2023 ab?

Nach zehn Jahren Pause qualifizierte sich Woollaston wieder für die Endrunde der Snooker-Weltmeisterschaft und schlug in der ersten Runde sensationell den mehrfachen Weltmeister Mark Selby mit 10:8. In der zweiten Runde verlor er knapp mit 10:13 gegen Si Jiahui.

Warum war der Sieg gegen Mark Selby so besonders für ihn?

Weil er Selby nicht nur als einen der besten Spieler der letzten Dekade betrachtet, sondern auch, weil seine Familie – insbesondere seine Kinder – das Match bewusst miterleben konnten. Für ihn war es einer der emotionalsten und stolzesten Momente seiner Laufbahn.

Ist Tatiana Woollaston auch im Snooker aktiv?

Ja, Tatiana ist eine internationale Schiedsrichterin im Snooker und leitete während des Crucible-Turniers unter anderem ein Match, in dem Mark Allen ein 147er-Break erzielte – ein weiterer emotionaler Höhepunkt für die ganze Familie Woollaston.

Wie blickt Ben Woollaston auf die neue Saison?

Er fühlt sich so stark wie seit Jahren nicht mehr und hat sich bereits für mehrere Ranglistenturniere qualifiziert. Sein Ziel ist es, zurück in die Top 32 zu gelangen und möglichst konstant gute Leistungen zu zeigen – vielleicht sogar ein Turnier zu gewinnen.

Was hat es mit seiner Kaffee-Leidenschaft auf sich?

Ben ist ein bekennender Kaffeeliebhaber und testet auf seinen Snookerreisen gerne verschiedene Röstungen und Cafés. Besonders begeistert war er von der Kaffeekultur in Saudi-Arabien und von Bohnen aus Honduras.

Informationsquelle: wst . tv

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