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Die Peter Ebdons Sportgeschichte – Snooker Legenden

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Die Peter Ebdons Sportgeschichte – Snooker Legenden
Wer kann schon von sich behaupten, dass ihm der Vater von Ronnie O’Sullivan einen Spitznamen verpasst hat? Nur Peter Ebdon. Psycho hat O’Sullivan Senior den charismatischen Glatzkopf getauft, was einerseits gemein ist, da er Ebdon einen besonderen Geisteszustand attestiert. Andererseits drückt er die Hochachtung vor dem gebürtigen Londoner aus. Sein Sohn geht Ebdon bei Turnieren am liebsten aus dem Weg, aber das klappt nicht immer. Etwa bei der WM 2012, als O’Sullivan in der ersten Runde gegen Ebdon antreten musste. Das schlimmste Los, das ich ziehen konnte, erklärte O’Sullivan. Ebdon sei ein Folterknecht der schlimmsten Sorte.

O’Sullivan meinte die mentale Folter, der er ausgesetzt ist, wenn er Ebdon beim Bällelochen zugucken muss. Kaum ein Profi bereitet seine Stöße akribischer vor als Ebdon, er spielt die Bälle gedanklich genau durch, bevor er an den Tisch tritt. Da steht er dann, minutenlang, legt die Stirn in Falten und denkt. Und denkt. Und denkt. Legt er das Queue an, dauert es weitere zehn bis 20 Sekunden, bis Ebdon alle Eventualitäten durchdacht hat. Alles geht furchtbar laaaangsam voran. Es gibt ein herrliches Video, das O’Sullivan zeigt, wie er zusehen muss, wie Ebdon mehr als fünf Minuten für ein Break von zwölf Punkten benötigt. Mal gähnt O’Sullivan, mal versinkt er im Stuhl, fragt einen Zuschauer nach der Uhrzeit, rollt mit seinen Augen. Als Ebdon nach quälender Wartezeit mit der roten Kugel am Tascheneingang hängen bleibt, bleibt O’Sullivan zunächst sitzen. Entgeistert schaut er Ebdon von der Seite an, dann grinst er schelmisch. Als wollte er Ebdon fragen: Und dafür brauchtest du nun fast sechs Minuten?

Ebdon ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Spieler. Er ist farbenblind, kann die roten von den farbigen Kugeln schlecht unterscheiden. Früher verwechselte er manchmal die Braune mit einer der Roten, heute fragt er bei engen Spielständen lieber kurz den Referee. Ebdon ist zudem einer der kulturbeflissensten Spieler auf der Tour. Als Sänger hat er bereits zwei Singles veröffentlicht, etwa 1996 den Song I Am a Clown, ein Cover des Originals von David Cassidy, das zu Ebdons doch eher dünnen Stimme fahrstuhlmusikmäßig dahindudelt. Er interessiert sich auch für Pferdezucht und teure Weine und zog nach langen Jahren mit seiner Familie in Dubai nach seiner Scheidung mit seiner zweiten Frau Nora nach Budapest. Früher, als er seine Haare noch zu einem Pferdeschwanz gebunden trug, war er ein impulsiver Typ, der laut schimpfte oder mit erhobener Jubelfaust den Tisch umkreiste. Dieses Image hat er längst abgelegt.

Mit seinem Zeitlupensnooker hat es Ebdon weit gebracht. Er schaffte es auf Rang drei der Weltrangliste (1997), seinen größten Triumph feierte er 2002 mit dem Weltmeistertitel, als er Stephen Hendry in einem Marathonmatch knapp 18:17 besiegte. Im letzten Frame lag er bereits 63:14 in Front, ehe er eine lange Rote verschoss. Hendry legte einen großartigen Snooker, aus dem sich Ebdon ebenso fantastisch befreite. Kurz darauf gratulierte Hendry seinem Kontrahenten. Ebdon konnte sein Glück kaum fassen. Noch am Tisch schloss er seine Tochter in die Arme. Da flogen sogar dem unnahbaren Kauz die Herzen im Crucible zu.