Selbys Triumph in Leicester
Mark Selby erlebte in Leicester einen Abend, der sich wie eine Rückkehr zu alten Stärken anfühlte. Zum ersten Mal in seiner Karriere gewann er den Sportsbet.io Champion of Champions – und tat das ausgerechnet vor einem Publikum, das jeden Stoß mit Begeisterung aufnahm. Noch im Sommer hätte kaum jemand damit gerechnet: Seit seinem Triumph bei den Welsh Open im Februar hatte er kein einziges Finale mehr erreicht. Die Saison wirkte zäh, voller kleiner Unsicherheiten. Doch an diesem Tag fand er zu einer Form, die an seine stärksten Zeiten erinnerte. Aus einem ausgeglichenen 5:5 machte er ein überzeugendes 10:5 gegen Judd Trump, die Nummer eins der Welt, und setzte damit ein Ausrufezeichen.
Der Weg zurück ins Rampenlicht
Selbys Weg ins Endspiel war bereits ein Statement. Mit Siegen über Stephen Maguire, Mark Williams und Neil Robertson musste er gleich drei Spieler schlagen, die selbst große Namen im Snooker sind. Diese Matches gaben ihm spürbar Sicherheit. In seinem Heimatort aufzutreten erzeugte zusätzlich Energie: die Nähe zum Publikum, die vielen vertrauten Gesichter, die Erwartungen – all das schien ihn nicht zu belasten, sondern zu tragen. Im Finale gegen Judd Trump waren es dann nicht die knappen Frames, die das Match prägten, sondern die Art, wie Mark Selby im richtigen Moment anzog. Drei Centuries in Folge, dazu die starke taktische Kontrolle in den entscheidenden Situationen – eine Kombination, die Trump zunehmend unter Druck setzte.
Ein Finale voller Wendungen
Dabei begann die Partie ganz im Stil von Judd Trump. Der Mann aus Bristol kam mit Selbstvertrauen an den Tisch und zog rasch auf 3:1 davon, unterstützt durch Breaks von 111, 73 und 114 Punkten. Selby konterte zwar früh mit einer 102, wirkte aber zunächst noch nicht voll angekommen. Doch je länger das Match dauerte, desto deutlicher veränderte sich die Atmosphäre. Mit Breaks von 70, 99, 65 und 64 übernahm Selby die Führung und erzwang ein 5:3. Nur Trumps 71 vor der Pause hielt die Spannung aufrecht.
Nach der Unterbrechung gelang Trump noch einmal der Ausgleich zum 5:5, doch Selby ließ sich nicht beirren. Der elfte Frame brachte ihn wieder nach vorn, der zwölfte wurde zum Schlüsselmoment: ein langes Sicherheitsduell, beide Spieler geduldig, bis Selby auf Pink schließlich den besseren Nerv bewies. Ab diesem Moment spielte er wie befreit. Die 138 – das höchste Break des gesamten Turniers – machte das 8:5. Danach folgten eine 101 und eine 132, die den Abend endgültig entschieden.
Die emotionale Bedeutung des Erfolgs
Dieser Titel bedeutet Selby weit mehr als ein weiterer Eintrag in die Statistik. Er sprach danach davon, dass er in den Tagen zuvor „etwas gefunden“ habe – ein Gefühl für sein Spiel, das ihm lange gefehlt hatte. Jeder Profi kennt diese Phasen, in denen der Kopf voller Zweifel ist, auch wenn man es nach außen nicht zeigt. Für Selby könnte dieser Erfolg daher der Wendepunkt einer bislang schwierigen Saison sein. Mit neuem Selbstvertrauen reist er zur Victorian Plumbing UK Championship und weiß, dass er gegen die Besten wieder bestehen kann.
Trumps schwierige Phase
Für Trump dagegen setzt sich ein Muster fort. Seit Beginn des Jahres wartet er auf seinen ersten Titel, und die erneute Niederlage hinterlässt Spuren. Er sprach ungewöhnlich offen über sein Queue und darüber, dass er „nicht richtig wisse, wohin er zielen soll“. In einem Spiel, das so sehr vom Gefühl lebt, kann schon ein kleines technisches Detail große Wirkung haben. Dennoch machte Trump klar, dass Selby an diesem Tag der bessere Spieler war und den Sieg verdient hatte.
Fazit
Dieses Finale zeigte erneut, wie eng die Weltspitze im Snooker beieinander liegt und wie schnell sich das Momentum verschieben kann. Für Selby war es ein Abend, an dem er die Kontrolle über sein Spiel zurückeroberte. Für Trump ein Hinweis, dass Veränderungen nötig sind, um wieder ganz oben mitzuspielen. Ein würdiges Finale – und ein starkes Zeichen dafür, dass die Saison noch viele spannende Wendungen bereithält.
FAQ
Wie wichtig ist dieser Titel für Mark Selby?
Der Titel kommt für Selby genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach Monaten ohne Finale stärkt der Sieg sein Selbstvertrauen massiv und könnte die gesamte Saison für ihn wenden.
Warum spielte Judd Trump unter seinem Niveau?
Trump kämpft seit Saisonbeginn mit seinem Queue und findet kein stabiles Gefühl dafür. Das beeinträchtigt sein Zielen und seine Sicherheit am Tisch deutlich.
War die 138 wirklich das höchste Break des Turniers?
Ja, Selbys Total-Clearance von 138 Punkten war das höchste Break des Champion of Champions und ein Schlüsselmoment im Finale.
Was bedeutet der Sieg für die kommenden Turniere?
Selby geht nun mit viel Rückenwind in die Victorian Plumbing UK Championship. Trump dagegen muss entscheiden, ob er sein Queue wechselt, um wieder stabil zu spielen.
Wie war das Publikum in Leicester?
Da Selby aus Leicester stammt, war die Unterstützung enorm. Die heimische Atmosphäre trug spürbar zu seiner Leistung bei und verlieh ihm zusätzliche Sicherheit.
Informationsquelle: wst . tv
