Neil Robertson: Ein Jahr voller Emotionen – Triumph, Comeback und höchste Auszeichnung Australiens
Für Neil Robertson war das vergangene Jahr weit mehr als nur ein weiteres Kapitel seiner langen Snookerkarriere. Es war ein Abschnitt voller Symbolik, persönlicher Genugtuung und tiefer Familienbande. Der Australier, der seit fast zwei Jahrzehnten zu den besten Spielern der Welt zählt, stemmte beim BetVictor English Open in Brentwood endlich wieder eine Ranglistentrophäe in die Höhe – und das vor den Augen seines Vaters Ian, der zum ersten Mal live miterleben durfte, wie sein Sohn einen Titel gewann.
Der lang ersehnte Sieg
Neil Robertson hatte zuvor fast zwei Jahre lang auf einen großen Titel warten müssen. Für einen Spieler seiner Klasse – Weltmeister von 2010, mehr als 20 Ranglistensiege auf der Tour – war diese Durststrecke eine ungewohnte und auch schwierige Zeit. Umso befreiender war es, als er in Brentwood den Steve-Davis-Pokal gewann.
Sein Weg ins Finale war nahezu makellos. Nur fünf Frames gab er bis dorthin ab. Gegen den jungen chinesischen Shootingstar Wu Yize schien die Partie bereits entschieden, als Robertson souverän mit 7:1 führte. Doch Snooker ist ein Spiel voller Wendungen: Wu traf plötzlich alles, ob beabsichtigt oder nicht, und verkürzte sensationell auf 7:8. Robertson musste all seine Routine und Nervenstärke einsetzen, um am Ende doch mit 9:7 zu triumphieren. Dieser Sieg sollte nicht nur den Titel sichern, sondern auch den 150.000 € BetVictor Bonus – eine Prämie für seine Konstanz über die gesamte Home-Nations-Serie.
Mentale Stärke und harte Arbeit
Entscheidend war in Brentwood nicht nur sein spielerisches Können, sondern auch die mentale Arbeit, die er im Vorfeld geleistet hatte. Gemeinsam mit seinem Freund Joe Perry und Sportpsychologin Helen Davis hatte Robertson intensiv daran gearbeitet, besser mit Drucksituationen umzugehen. „Manchmal kann man alles richtig machen und verliert trotzdem vier oder fünf Frames am Stück, wenn der Gegner in einen Lauf kommt“, erklärte Robertson. „Gerade in solchen Momenten entscheidet sich, ob man Geduld hat und ruhig bleibt oder in Panik verfällt.“
Dass diese Arbeit Früchte trug, zeigte sich auch beim Saudi Arabia Snooker Masters wenige Monate später. Dort drehte Ronnie O’Sullivan ein 2:7-Rückstand in eine 9:8-Führung – ein Albtraum für jeden Spieler. Doch Robertson hielt stand, blieb ruhig und gewann schließlich mit 10:9. Zwei Siege, die nicht nur Trophäen, sondern auch neues Selbstvertrauen brachten.
Die Bedeutung der Home Nations
Besonders die Turniere der Home-Nations-Serie liegen Robertson am Herzen. „Es ist ein anderes Format, schneller, intensiver, und die Turniere dauern nur eine Woche“, sagte der 43-Jährige im Gespräch mit der BBC. „Ich würde nicht wollen, dass alle Turniere so sind, aber dieser Mix ist sehr wichtig. Und der Bonus im letzten Jahr hat gezeigt, wie konstant ich über die Saison war.“ Für ihn war der Erfolg in Brentwood ein Wendepunkt. „Es war mein erster Ranglistentitel seit 18 Monaten. Dieser Moment markierte meinen Wiederaufstieg – das Gefühl, meine Karriere wieder in die richtige Richtung gelenkt zu haben.“
Ein Triumph, den der Vater miterlebte
Doch über allem stand die persönliche Note. Vater Ian hatte Neil zwar schon oft in großen Arenen unterstützt, aber nie live erlebt, wie sein Sohn eine Trophäe hochhielt. „Das war ein unglaublich stolzer Moment für ihn – und auch für mich“, sagte Robertson. „Es stand ein bisschen mehr auf dem Spiel als sonst, einfach weil er da war. Diesen Sieg teile ich mit ihm.“
Eine Ehrung, die Generationen überstrahlt
Als wäre dieser sportliche Erfolg nicht genug, folgte wenige Monate später ein weiterer Höhepunkt: Neil Robertson erhielt die Medal of the Order of Australia, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen des Landes.
„Das war ein seltsames Gefühl“, erinnerte er sich. „Ich war der Jüngste im Raum, alle anderen hatten ihr Leben lang Großes geleistet – in Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft. Australien vergibt solche Medaillen nicht leichtfertig an Sportler. Das machte den Moment umso bedeutungsvoller.“ Für Robertson war es mehr als eine persönliche Ehrung. „Es war ein Augenblick, der meine ganze Familie stolz gemacht hat. Es hat mir gezeigt, dass all die Arbeit, all die Reisen, all die Opfer nicht umsonst waren.“
Ein neuer Abschnitt seiner Karriere
Für den „Thunder from Down Under“ war das vergangene Jahr somit ein Neuanfang. Sportlich beendete er eine schwierige Phase und bewies, dass er auch mit über 40 noch zu den Besten gehört. Emotional schrieb er Familiengeschichte, indem er seinen Vater an einem seiner größten Tage dabeihatte. Und national erfuhr er die Anerkennung seines Heimatlandes, das ihn für seine Verdienste ehrte.
Robertson selbst weiß, dass es im Snooker immer Höhen und Tiefen geben wird. Doch das vergangene Jahr hat ihm gezeigt, dass Resilienz, mentale Stärke und die Unterstützung der Familie entscheidend sind, um zurück an die Spitze zu kommen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Trophäe, die er in diesem Jahr gewonnen hat.
FAQ
Warum war der Sieg beim English Open 2023 für Neil Robertson so besonders?
Neil Robertson konnte nach fast zwei Jahren ohne Titel endlich wieder einen Ranglistenerfolg feiern. Noch bedeutender: Sein Vater Ian sah zum ersten Mal live, wie er eine Trophäe gewann.
Wie hoch war der BetVictor Bonus, den Robertson gewann?
Durch seine Konstanz in den Home-Nations-Turnieren sicherte er sich den BetVictor Bonus in Höhe von 150.000 €.
Welche Rolle spielten Joe Perry und Helen Davis in seiner Karriere?
Joe Perry unterstützte ihn als enger Freund und Trainingspartner. Mit Sportpsychologin Helen Davis arbeitete Robertson intensiv an seiner mentalen Stärke – ein entscheidender Faktor in engen Finals wie gegen Wu Yize oder Ronnie O’Sullivan.
Warum sind die Home-Nations-Turniere für Robertson wichtig?
Er schätzt den schnelleren Modus und die kompakte Turnierwoche. Robertson betont, dass die Serie Abwechslung bietet und ihn für den Bonus über die Saison hinweg konstant gefordert hat.
Was ist die Medal of the Order of Australia?
Die Medal of the Order of Australia ist eine der höchsten zivilen Auszeichnungen des Landes. Robertson erhielt sie 2024 für seine sportlichen Erfolge und seine Verdienste als Botschafter des Snookersports.
Welche Bedeutung hatte die Ehrung für Robertson?
Für Robertson war es ein zutiefst bewegender Moment, da Australien solche Auszeichnungen an Sportler nur selten vergibt. Er fühlte sich geehrt, als jüngster Teilnehmer in einer Reihe von Persönlichkeiten ausgezeichnet zu werden, die ihr Leben lang bedeutende Beiträge geleistet haben.
Informationsquelle: wst . tv
