Snooker English Open 2025: Mark Allen siegt im Drama gegen Zhou Yuelong

Mark Allen triumphiert bei den English Open – ein Drama in 17 Akten

Fast eineinhalb Jahre musste Mark Allen auf diesen Moment warten. In Brentwood war es am Sonntagabend soweit: Der Nordire stemmte nach einem dramatischen Finale gegen den Chinesen Zhou Yuelong die Trophäe der BetVictor English Open in die Höhe. Mit 9:8 setzte sich der 39-Jährige durch und feierte damit seinen zwölften Ranglistentitel – ein Erfolg, der für ihn mehr war als nur ein weiterer Eintrag in die Statistik.

Ein Match wie eine Achterbahnfahrt

Das Finale begann verheißungsvoll für Allen. Schon in der Nachmittagssession dominierte er mit sicherem Lochspiel und cleverem taktischen Verhalten. Schnell zog er davon, baute seine Führung auf 6:2 aus und schien klar auf Siegkurs. Als er am Abend sogar 7:3 in Führung lag, hätte wohl kaum jemand daran gezweifelt, dass „The Pistol“ die Partie souverän nach Hause bringen würde.

Doch Snooker schreibt seine eigenen Geschichten – und Zhou Yuelong bewies, warum er längst zur erweiterten Weltspitze zählt. Mit stoischer Ruhe und präzisem Spiel arbeitete er sich zurück ins Match. Frame um Frame holte er auf, profitierte von einigen ungewohnten Fehlern Allens und kippte die Partie plötzlich auf seine Seite. Mit Breaks von 60 und 53 schraubte Zhou das Ergebnis auf 8:7 – ausgerechnet in dem Moment, in dem er wenige Stunden zuvor noch scheinbar aussichtslos zurückgelegen hatte.

Mark Allen wehrt den K.o. ab

Doch wer Mark Allen kennt, weiß: Der Nordire gibt nie auf. Schon auf dem Weg ins Finale hatte er mehrfach bewiesen, dass er in engen Situationen seine besten Nerven zeigt. Gegen Ding Junhui lag er im Achtelfinale 0:3 hinten, drehte das Match aber noch zum 4:3. Gegen Elliot Slessor im Viertelfinale schaffte er sogar das Kunststück, ein 0:4 in ein 5:4 zu verwandeln. Im Halbfinale gegen Jak Jones rettete er sich von 3:5 zu einem 6:5-Erfolg.

Nun stand er also wieder mit dem Rücken zur Wand. Im 16. Frame legte er eine 71er-Serie hin, doch ein unglücklicher „In off“ brachte Zhou nochmals ins Spiel. Dieser nutzte die Foulpunkte, schnupperte schon am Matchgewinn – doch Allen fand erneut eine Antwort und erzwang das Entscheidungsframe.

Ein Finale für die Geschichtsbücher

Im alles entscheidenden 17. Frame bewies Allen noch einmal, warum er zu den größten Kämpfern der Snookerszene gehört. Mit einer 61 sicherte er sich schließlich den Sieg und fiel nach dem letzten Ball erleichtert zurück. Es war nicht nur ein Triumph über seinen Gegner, sondern auch über die Müdigkeit und den Druck, die ihn in dieser Woche begleitet hatten.

Bemerkenswert ist, dass es bereits das dritte Ranglistenturnier in Folge war, das erst im Decider entschieden wurde – nach Neil Robertsons Sieg in Saudi-Arabien und Xiao Guodongs Erfolg in Wuhan. Snookerfans weltweit durften sich also über eine beispiellose Serie an Dramen freuen.

Bedeutung für Allen

Für Mark Allen war es der erste Titel seit der Players Championship im Februar 2024. Dazwischen lagen frustrierende Monate, in denen er zwar konstant spielte, aber keine Trophäe mehr in den Händen halten durfte. In der Weltrangliste war er deshalb auf Platz zehn abgerutscht, nachdem er im Vorjahr zeitweise die Nummer eins gewesen war. Mit den 100.000 Pfund Preisgeld klettert er nun zurück auf Rang sieben.

Gleichzeitig setzt er sich an die Spitze der BetVictor Home Nations Series, bei der am Ende ein zusätzlicher Bonus von 150.000 Pfund winkt. Für Allen ist es ein doppelter Motivationsschub.

In seinen ersten Reaktionen zeigte er sich erschöpft, aber stolz: „Ich war absolut platt, aber ich habe nie aufgehört zu kämpfen. Viele Spieler hätten in meinen Situationen in dieser Woche wohl aufgegeben. Ich glaube, das ist mein größter Trumpf – alle wissen, dass man mich nie abschreiben darf.“

Zhou Yuelong und der Fluch der Finals

Für Zhou Yuelong bleibt dagegen der bittere Beigeschmack einer weiteren verpassten Chance. Viermal stand er inzwischen in einem Ranglistenfinale – und viermal ging er als Verlierer vom Tisch. Schon 2020 war er sowohl beim European Masters als auch beim Shoot Out unterlegen. 2023 verpasste er in Belfast gegen Allen den großen Wurf, und nun scheiterte er erneut am Nordiren.

Dabei hatte Zhou alles gegeben. Sein Comeback im Finale zeigte, dass er über Nervenstärke und spielerische Klasse verfügt. Doch die letzte Hürde fehlt noch. „Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich nehme viel Positives mit“, sagte er nach dem Match. „Gegen Ende habe ich gesehen, dass ich auf höchstem Niveau mithalten kann. Das wird mir in Zukunft helfen.“

Ein Blick nach vorn

Mit diesem Triumph schreibt Allen nicht nur seine eigene Geschichte fort, sondern setzt auch ein Zeichen an die Konkurrenz. In der Liste der erfolgreichsten Turniersieger zieht er mit Shaun Murphy gleich und rangiert nun auf Platz zehn. Doch Allen hat noch größere Ziele. Besonders die Welsh Open fehlen ihm noch in seiner Sammlung der Home Nations Series – und natürlich der Weltmeistertitel, der für ihn weiterhin ganz oben auf der Wunschliste steht.

Für die Fans war es ein Snookerabend, wie man ihn sich wünscht: Spannung bis zum letzten Ball, Emotionen auf beiden Seiten und das Gefühl, Zeuge eines Klassikers geworden zu sein.

FAQ

Wie viele Ranglistentitel hat Mark Allen jetzt gewonnen?

Mit dem Triumph in Brentwood sicherte sich Mark Allen seinen zwölften Ranglistentitel. Damit zieht er mit Shaun Murphy gleich und belegt Platz zehn auf der ewigen Bestenliste.

Wann hatte Allen zuletzt ein Turnier gewonnen?

Vor den English Open hatte Allen 19 Monate lang keinen Titel mehr geholt. Sein letzter Sieg datierte aus dem Februar 2024 bei der Players Championship.

Warum war das Finale gegen Zhou Yuelong so besonders?

Allen führte bereits mit 7:3, bevor Zhou Yuelong das Match drehte und 8:7 in Führung ging. Erst im Entscheidungsframe konnte Allen mit einer 61 den Sieg perfekt machen.

Hat Zhou Yuelong schon einmal ein Ranglistenturnier gewonnen?

Nein. Zhou stand bisher viermal in einem Ranglistenfinale – 2020 beim European Masters und Shoot Out, 2023 bei den Northern Ireland Open und 2025 bei den English Open – und verlor jedes Mal.

Welche Bedeutung hat der Sieg für Allens Weltrangliste?

Durch das Preisgeld von 100.000 Pfund kletterte Allen von Rang zehn auf Rang sieben in der Weltrangliste. Zudem führt er nun die Wertung der BetVictor Home Nations Series an.

Was sind die nächsten großen Ziele von Mark Allen?

Allen möchte noch die Welsh Open gewinnen, das einzige Home-Nations-Event, das ihm fehlt. Darüber hinaus träumt er weiterhin vom Weltmeistertitel im Crucible Theatre.

Informationsquelle: wst . tv

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