WPBSA bereitet Snooker-Profis auf das Leben auf der World Snooker Tour vor
Der Weg zum Snooker-Profi endet längst nicht mit der erfolgreichen Qualifikation für die World Snooker Tour. Neben dem sportlichen Können müssen sich die Spieler mit zahlreichen Herausforderungen beschäftigen, die abseits des grünen Tisches auf sie warten. Genau darauf soll das jährliche Player Support Programme der World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA) vorbereiten. Ende Juli kamen deshalb 23 neue und zurückkehrende Tourspieler im Lilleshall National Sports Centre in England zusammen. An zwei Tagen erhielten die Teilnehmer umfangreiche Informationen zu Themen wie mentale Gesundheit, Integrität im Sport, Finanzen, Medienarbeit, Social Media und den allgemeinen Anforderungen des Lebens als professioneller Snookerspieler.
Das Programm wurde von WPBSA Players mit Unterstützung der Professional Players Federation und in Zusammenarbeit mit Taom Billiards organisiert. Im Mittelpunkt stand dabei eine zentrale Botschaft: Eine erfolgreiche Karriere im modernen Profisnooker besteht aus deutlich mehr als Training, Turnieren und gewonnenen Frames.
23 Spieler der „Class of 2026“ in Lilleshall
Insgesamt nahmen 23 Mitglieder der sogenannten „Class of 2026“ an der Veranstaltung am 28. und 29. Juli teil. Darunter befanden sich sowohl Spieler, die erstmals den Sprung auf die World Snooker Tour geschafft haben, als auch erfahrene Profis, die nach einer Pause auf die Tour zurückkehren. Gerade für junge Spieler kann der Wechsel in den Profisport eine enorme Umstellung bedeuten. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, möglichst viele Stunden am Trainingstisch zu verbringen. Reisen müssen organisiert, finanzielle Entscheidungen getroffen, Medienanfragen beantwortet und Verpflichtungen gegenüber Sponsoren und Veranstaltern eingehalten werden.
Gleichzeitig steigt mit der Teilnahme an der World Snooker Tour auch die öffentliche Aufmerksamkeit. Spieler werden über soziale Netzwerke direkt mit Fans konfrontiert und müssen lernen, mit Kritik oder sogar persönlichen Angriffen umzugehen. Das Player Support Programme soll ihnen deshalb bereits frühzeitig praktische Werkzeuge für diese unterschiedlichen Situationen vermitteln.
Vom Tour-Alltag bis zum Umgang mit Sportwetten
Das zweitägige Programm deckte eine ungewöhnlich große Bandbreite an Themen ab. Neil Tomkins von WPBSA Players erklärte den Teilnehmern zunächst, welche Herausforderungen sie im alltäglichen Leben auf der Tour erwarten. Ein besonders wichtiger Bereich war das Thema Integrität und Sportwetten. Dave Jones von der WPBSA informierte die Spieler sowohl über Wetten auf Sportereignisse als auch über die geltenden Verhaltens- und Integritätsregeln. Für professionelle Sportler ist die Kenntnis dieser Vorschriften von großer Bedeutung, da Verstöße schwerwiegende Konsequenzen für die eigene Karriere haben können. Auch die offiziellen Spielbedingungen wurden ausführlich behandelt. Chris Barnes und Josh Perrin von der World Snooker Tour erklärten den Profis die relevanten Anforderungen und Abläufe während der Turniere.
Mentale Gesundheit wird im Profisnooker immer wichtiger
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Mental Health und Wellbeing. Alex Mills und Ellie Grover von Sporting Chance beschäftigten sich gemeinsam mit den Spielern mit den psychischen Herausforderungen einer professionellen Sportkarriere. Snooker stellt in dieser Hinsicht besondere Anforderungen. Anders als in vielen Mannschaftssportarten steht ein Spieler während eines Matches weitgehend allein am Tisch. Niederlagen, Formkrisen und der Druck der Weltrangliste können sich über Wochen oder Monate ziehen. Gleichzeitig verbringen Profis während einer Saison viel Zeit auf Reisen und fern von Familie und Freunden.
Hinzu kommt die Unsicherheit, die das Rankingsystem mit sich bringt. Besonders Spieler in den unteren Regionen der Weltrangliste kämpfen regelmäßig darum, ihren Tourplatz zu behalten. Eine Serie schlechter Ergebnisse kann deshalb nicht nur sportliche, sondern auch erhebliche finanzielle Folgen haben. Die WPBSA möchte den Spielern vermitteln, dass mentale Gesundheit ebenso ernst genommen werden sollte wie die körperliche und sportliche Vorbereitung.
Social Media bringt Chancen und neue Probleme
Auch der Umgang mit sozialen Medien gehört inzwischen zum Alltag eines Snookerprofis. Plattformen bieten Spielern die Möglichkeit, eine eigene Fangemeinde aufzubauen, Sponsoren zu präsentieren und direkt mit den Zuschauern zu kommunizieren. Diese Nähe hat allerdings auch Schattenseiten. Matt Himsworth und Celia Quansah von B5 Consultancy beschäftigten sich deshalb mit Social Media sowie Online-Missbrauch gegenüber Spielern. Gerade nach knappen Niederlagen oder überraschenden Ergebnissen können Profis im Internet mit aggressiven Kommentaren konfrontiert werden. Die zunehmende Verbindung zwischen Sport, sozialen Netzwerken und Wetten hat dieses Problem zusätzlich verschärft. Für junge Spieler ist es daher wichtig zu wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen und wo sie Unterstützung erhalten können.
Finanzen, Sponsoren und die eigene Marke
Eine professionelle Snookerkarriere muss auch wirtschaftlich organisiert werden. Neil Carroll von Azets gab den Teilnehmern deshalb Einblicke in das Thema Finanzmanagement. Für Tourspieler unterscheidet sich die finanzielle Situation erheblich von klassischen Angestelltenverhältnissen. Einnahmen können von Preisgeldern, Sponsorenverträgen, Exhibitions und weiteren Aktivitäten abhängen und entsprechend stark schwanken. Eine langfristige Finanzplanung ist deshalb besonders wichtig.
Gleichzeitig wurden Möglichkeiten rund um die persönliche Vermarktung behandelt. Tony Sheridan von WPBSA Players – Merch Group informierte über Branding und Merchandise, während Helen Bowden die kommerziellen Partnerschaften der World Snooker Tour erläuterte Sean Fay von WST Media beschäftigte sich wiederum mit Medien und Kommunikation. Interviews, Pressekonferenzen und öffentliche Auftritte gehören für erfolgreiche Profis regelmäßig zum Tourleben. Besonders junge Spieler müssen häufig erst lernen, mit dieser Aufmerksamkeit professionell umzugehen.
Auch Lebensstil und Leistungsfähigkeit gehören zusammen
Dass sportlicher Erfolg nicht ausschließlich am Snookertisch entsteht, war ein weiteres Thema der Veranstaltung. Lloyd Ashley von der Welsh Rugby Players Association sprach über den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Leistungsfähigkeit. Reisen, wechselnde Turnierzeiten und lange Trainingstage können eine geregelte Routine erschweren. Schlaf, Ernährung, Regeneration und körperliche Fitness gewinnen deshalb auch im Snookersport zunehmend an Bedeutung. Die moderne Generation von Profis betrachtet diese Bereiche wesentlich professioneller als noch vor einigen Jahrzehnten. Viele Topspieler arbeiten mittlerweile gezielt an ihrer körperlichen Fitness und achten darauf, ihre Leistungsfähigkeit auch während langer Turniertage aufrechtzuerhalten.
WPBSA: Spieler sollen auf und neben dem Tisch erfolgreich sein
Neil Tomkins, Chief Operating Officer von WPBSA Players, unterstrich die langfristige Bedeutung des Programms. Ausbildung und Weiterbildung seien entscheidende Bestandteile sowohl der Karriereentwicklung als auch des Wohlergehens der Spieler. Die Aufgabe der Organisation bestehe darin, den Profis das notwendige Wissen und die Unterstützung zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht nur am Snookertisch, sondern auch außerhalb des Sports erfolgreich mit den Anforderungen ihrer Karriere umgehen können. Ähnlich äußerte sich Mark Davis. Der ehemalige Tourprofi und heutige Chairman von WPBSA Players betonte, dass sich der professionelle Snookersport kontinuierlich weiterentwickle. Spieler müssten deshalb über Veränderungen informiert bleiben – unabhängig davon, ob sie gerade erst ihre Karriere beginnen oder bereits über jahrelange Tourerfahrung verfügen.
On Yee Ng erhält Einblick in das Leben als Tourprofi
Zu den Teilnehmern gehörte auch die ehemalige Frauen-Weltmeisterin On Yee Ng. Für sie bot die Veranstaltung einen umfassenden Einblick in die Anforderungen, die mit dem Status als professionelle Tourspielerin verbunden sind. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der großen Themenvielfalt. Das Programm habe ihr deutlich gemacht, dass die Rolle eines Profis weit über die eigentlichen Matches hinausgeht. Gerade für Spieler, die neu auf die World Snooker Tour kommen, kann dieses Wissen wertvoll sein. Während erfahrene Profis viele Abläufe bereits aus jahrelanger Praxis kennen, müssen Tourneulinge innerhalb kurzer Zeit lernen, sich in einer vollkommen neuen professionellen Umgebung zurechtzufinden.
Ashley Hugill erkennt deutliche Entwicklung seit 2017
Für Ashley Hugill war die Veranstaltung gleichzeitig eine Rückkehr. Der Engländer hat sich über die WPBSA Q Tour erneut für die World Snooker Tour qualifiziert und hatte bereits 2017 an einer Tour-Einführung teilgenommen. Der Unterschied zu damals sei deutlich spürbar. Nach Ansicht Hugills hat sich die Unterstützung der WPBSA für ihre Spieler innerhalb des vergangenen Jahrzehnts erheblich weiterentwickelt. Veranstaltungen dieser Art seien deshalb nicht nur für junge Talente wertvoll, sondern auch für erfahrenere Profis. Sie bieten die Gelegenheit, neue Entwicklungen kennenzulernen und gleichzeitig einen aktuellen Überblick darüber zu erhalten, welche Unterstützung den Spielern zur Verfügung steht.
Craig Steadman lobt das umfangreiche Programm
Auch Craig Steadman, der über die WPBSA Q Tour Play-Offs seine Rückkehr auf die Main Tour geschafft hat, zog ein positives Fazit. Die zwei Tage hätten dabei geholfen, besser zu verstehen, wie das Leben als Profi sowohl auf als auch abseits des Snookertisches funktioniert Steadman hob insbesondere die Qualität der Gastredner und die große Bandbreite der behandelten Themen hervor. Für zurückkehrende Spieler bietet das Programm damit gleichzeitig die Möglichkeit, ihr Wissen über neue Strukturen und Entwicklungen innerhalb der Tour aufzufrischen.
Mehr als nur Training am Snookertisch
Das Player Support Programme zeigt, wie sehr sich das Berufsbild eines Snookerprofis verändert hat. Natürlich bleiben Technik, Breakbuilding und Matchpraxis die Grundlage für sportlichen Erfolg. Gleichzeitig müssen moderne Profis aber mit zahlreichen weiteren Herausforderungen umgehen . Finanzplanung, psychische Gesundheit, Medienarbeit, soziale Netzwerke, Sponsorenverpflichtungen und Integritätsregeln sind inzwischen feste Bestandteile einer Karriere auf der World Snooker Tour. Mit Veranstaltungen wie dem Player Support Programme versucht die WPBSA, insbesondere neue und zurückkehrende Spieler möglichst umfassend auf diese Realität vorzubereiten. Nach zwei intensiven Tagen in Lilleshall kann sich die „Class of 2026“ nun wieder auf das konzentrieren, worauf es sportlich ankommt: die neue Saison auf der World Snooker Tour.
FAQ
Was ist das WPBSA Player Support Programme?
Das Player Support Programme ist eine jährlich organisierte Veranstaltung, bei der neue und zurückkehrende Profis auf die sportlichen und persönlichen Anforderungen der World Snooker Tour vorbereitet werden.
Wann fand das Programm 2026 statt?
Die Veranstaltung wurde am 28. und 29. Juli 2026 im Lilleshall National Sport Centre in England durchgeführt.
Wie viele Snooker-Spieler nahmen teil?
Insgesamt kamen 23 Mitglieder der sogenannten „Class of 2026“ zusammen, darunter neue Tourprofis sowie Spieler, die auf die World Snooker Tour zurückkehren.
Welche Themen wurden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehörten unter anderem mentale Gesundheit, Integrität und Sportwetten, Finanzmanagement, Social Media, Online-Missbrauch, Medienarbeit, Sponsoring, Lebensstil, Leistungsfähigkeit und die offiziellen Spielbedingungen der World Snooker Tour.
Welche bekannten Spieler nahmen am Programm teil?
Unter anderem gehörten die ehemalige Frauen-Weltmeisterin On Yee Ng sowie die auf die World Snooker Tour zurückgekehrten Ashley Hugill und Craig Steadman zu den Teilnehmern.
Informationsquelle: wst . tv
