Snooker-Star Shaun Murphy nach dem WM-Drama: „Diese Niederlage wird mich noch lange begleiten

Shaun Murphy blickt nach dem dramatischen WM-Finale nach vorne – doch die Wunde ist noch nicht verheilt

Manche Niederlagen verschwinden nach wenigen Tagen aus dem Gedächtnis. Andere begleiten einen Sportler ein Leben lang. Für Shaun Murphy gehört das verlorene Finale der Snooker-Weltmeisterschaft 2026 zweifellos zur zweiten Kategorie.

Nur ein einziges Frame fehlte dem Engländer zu seinem zweiten Weltmeistertitel im Crucible Theatre von Sheffield. Nach einem der spektakulärsten Endspiele der vergangenen Jahrzehnte musste er sich dem Chinesen Wu Yize mit 17:18 geschlagen geben. Es war ein Finale, das bis zum letzten Ball Spannung bot und Snooker-Fans auf der ganzen Welt begeisterte.

Doch während Zuschauer und Experten bereits von einem modernen Klassiker sprechen, sitzt der Schmerz bei Murphy noch immer tief. Wochen nach dem Turnier fällt es ihm schwer, die Ereignisse mit Abstand zu betrachten.

„Natürlich würde ich gerne sagen, dass ich darüber hinweg bin“, erklärt der 43-Jährige. „Aber so weit bin ich noch nicht. Es tut immer noch weh.“

Vier verlorene WM-Endspiele hinterlassen Spuren

Für Murphy war es bereits die vierte Niederlage in einem Finale der Snooker-Weltmeisterschaft. Obwohl er 2005 sensationell den Titel gewann und sich damit einen festen Platz in der Geschichte des Sports sicherte, bleiben die verpassten Chancen unvergessen.

Wer einmal so nah am größten Erfolg seiner Karriere stand und ihn im entscheidenden Moment verpasst, trägt diese Erinnerungen oft für immer mit sich herum. Murphy weiß das nur zu gut.

Dennoch versucht er, die Situation realistisch einzuordnen. Anders als bei manchen Niederlagen, bei denen eigene Fehler oder mangelnde Nervenstärke entscheidend waren, sieht er die Ursache diesmal vor allem in der außergewöhnlichen Leistung seines Gegners.

Wu Yize habe ihm den Titel nicht geschenkt bekommen – er habe ihn sich verdient.

Besonders eine Szene ist Murphy bis heute im Gedächtnis geblieben. Im entscheidenden Finale versenkte der junge Chinese eine schwierige rote Kugel entlang der schwarzen Bande. Ein Fehlschuss hätte wahrscheinlich die Niederlage bedeutet.

Für Murphy war dieser Stoß der Moment, der die Klasse seines Gegners eindrucksvoll unter Beweis stellte.

„Das war nicht nur technisch brillant, sondern auch unglaublich mutig“, sagt er rückblickend. „Solche Entscheidungen trifft man normalerweise nicht mit diesem Selbstvertrauen in einem WM-Finale.“

Ein Turnier voller dramatischer Wendungen

Die Weltmeisterschaft 2026 wird nicht nur wegen des Finales in Erinnerung bleiben. Während des gesamten Turniers gab es zahlreiche Momente, in denen das Schicksal scheinbar nur an einem einzigen Ball hing.

Murphy selbst stand bereits in der ersten Runde kurz vor dem Aus. Gegen Fan Zhengyi benötigte er eine außergewöhnliche Clearance, um das Turnier überhaupt fortsetzen zu können.

Auch im Halbfinale gab es einen Schlüsselmoment. Hätte Mark Allen gegen Wu Yize eine entscheidende Schwarze gelocht, wäre die Geschichte des Turniers möglicherweise völlig anders verlaufen.

Genau diese unvorhersehbaren Wendungen machen den besonderen Reiz des Crucible aus. Seit Jahrzehnten produziert die Weltmeisterschaft Geschichten, die selbst die besten Drehbuchautoren kaum besser schreiben könnten.

Für Murphy war die Ausgabe 2026 dennoch etwas Besonderes. Nicht zuletzt deshalb, weil kurz zuvor bekannt gegeben wurde, dass das traditionsreiche Crucible Theatre bis zum Jahr 2045 Austragungsort der Weltmeisterschaft bleiben wird.

Die Freude über diese Nachricht war während des gesamten Turniers spürbar.

„Es fühlte sich an, als wäre die gesamte Snooker-Welt in Feierlaune“, erinnert sich Murphy. „Die Spieler, die Zuschauer, die Verantwortlichen – alle wollten dieses Ereignis genießen.“

China dominiert die Snooker-Welt

Mit Wu Yizes Triumph wurde gleichzeitig ein weiterer Meilenstein erreicht. Er ist bereits der zweite chinesische Weltmeister in Folge.

Für Murphy kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Seit Jahren investiert China massiv in die Förderung junger Talente. Moderne Trainingszentren, professionelle Strukturen und umfangreiche finanzielle Unterstützung haben eine Generation von Spielern hervorgebracht, die inzwischen die Weltspitze erreicht hat.

Die aktuellen Erfolge seien das Ergebnis einer Entwicklung, die vor rund zwei Jahrzehnten begann.

Doch Murphy sieht nicht nur die chinesischen Talente. Auch in Europa und Großbritannien wächst eine neue Generation heran, die in den kommenden Jahren für Schlagzeilen sorgen könnte.

Namen wie Liam Pullen, Stan Moody oder Antoni Kowalski nennt er als Beispiele für junge Spieler mit großem Potenzial.

Besonders beeindruckt zeigte er sich von einem Besuch in Frankfurt, wo er zahlreiche junge Snooker-Fans und Nachwuchsspieler traf.

Für Murphy ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zukunft des Sports gesichert ist.

Ein Sommer voller neuer Erfahrungen

Nach den emotionalen Wochen in Sheffield gönnte sich Murphy bewusst etwas Abstand vom Snookertisch. Dabei führte ihn sein Weg unter anderem nach Paris zu den French Open im Tennis.

Der Besuch in Roland Garros hinterließ bleibenden Eindruck. Dort konnte er einige der größten Stars des Tennissports aus nächster Nähe erleben.

Besonders die Auftritte von Jannik Sinner und Aryna Sabalenka begeisterten ihn. Die Intensität, mit der diese Athleten auf höchstem Niveau agieren, erinnerte ihn an die Anforderungen im eigenen Sport.

Zusätzlich erhielt Murphy die Gelegenheit, als Gast in einem Fernsehstudio über das Turnier zu sprechen. Gemeinsam mit Tennisgrößen wie Tim Henman und Anne Keothavong verbrachte er mehrere Stunden hinter den Kulissen.

Gerade die Begegnung mit Henman hatte für ihn einen besonderen Reiz. Schließlich gehörte Murphy zu jener Generation britischer Sportfans, die in den 1990er-Jahren jeden Sommer auf Wimbledon blickte und Henman die Daumen drückte.

Nervöser als bei einem WM-Finale?

Eine weitere ungewöhnliche Erfahrung machte Murphy beim Ludlow Piano Festival. Dort trat er bei einer Prominenten-Veranstaltung auf, die vom bekannten Komiker und Musiker Alastair McGowan organisiert wurde.

Obwohl Murphy bereits vor Tausenden Zuschauern bei den größten Snookerturnieren der Welt gespielt hat, beschreibt er diesen Auftritt als eine der nervenaufreibendsten Erfahrungen seines Lebens.

Er scherzt selbst darüber, dass er sich bei einem Musikfestival eher wie ein Hochstapler gefühlt habe.

Doch offenbar überzeugte sein Auftritt, denn die Veranstalter luden ihn bereits für das kommende Jahr erneut ein.

Besonders freute er sich darüber, einen seiner persönlichen Helden kennenzulernen: Reverend Richard Coles. Die positiven Worte des bekannten Autors und Moderators blieben ihm lange in Erinnerung.

Der Blick richtet sich wieder auf Snooker

Trotz aller Aktivitäten abseits des Tisches rückt langsam die neue Saison näher. Murphy startet seine Spielzeit traditionell beim Shanghai Masters und wird in den kommenden Wochen die Vorbereitung intensivieren.

Der verlorene WM-Titel bleibt dabei eine wichtige Motivation.

Statt sich von der Enttäuschung lähmen zu lassen, möchte er die Erfahrung nutzen, um noch härter zu arbeiten.

Nur ein einziges Frame trennte ihn von seinem zweiten Weltmeistertitel. Diese Erkenntnis schmerzt, zeigt ihm aber gleichzeitig, dass er weiterhin zu den besten Spielern der Welt gehört.

Für Murphy besitzen mehrfache Weltmeister einen ganz besonderen Status im Snooker. Diesem Kreis wollte er sich anschließen – und verpasste die Chance denkbar knapp.

Doch statt aufzugeben, sieht er darin einen Ansporn.

Die vergangenen beiden Spielzeiten zählen nach eigener Einschätzung bereits zu den besten seiner Karriere. Nun lautet das Ziel, die kommende Saison zur erfolgreichsten überhaupt zu machen.

Wenn Shaun Murphy eines aus seiner langen Laufbahn gelernt hat, dann dies: Große Erfolge entstehen selten aus Bequemlichkeit. Sie entstehen aus Enttäuschungen, harter Arbeit und der Bereitschaft, immer wieder aufzustehen.

Genau deshalb dürfte die Snooker-Welt auch in der kommenden Saison wieder mit Shaun Murphy rechnen müssen.

FAQ

Wie knapp verlor Shaun Murphy das WM-Finale 2026?

Murphy unterlag Wu Yize mit 17:18 und verpasste seinen zweiten Weltmeistertitel um nur ein einziges Frame.

Wie viele WM-Finals hat Murphy verloren?

Das Endspiel 2026 war bereits seine vierte Niederlage in einem WM-Finale im Crucible Theatre.

Was sagt Murphy über Wu Yizes Leistung?

Er betont, dass Wu den Titel verdient gewonnen habe und außergewöhnliche Nervenstärke zeigte.

Welche Bedeutung haben die chinesischen Erfolge im Snooker?

Murphy sieht darin das Ergebnis jahrelanger Investitionen Chinas in Nachwuchsarbeit, Trainingszentren und Förderprogramme.

Wann beginnt Murphys neue Saison?

Sein erster großer Auftritt der neuen Spielzeit wird beim Shanghai Masters stattfinden.

Was ist sein Hauptziel für die kommende Saison?

Murphy möchte die starke Form der letzten Jahre bestätigen und seine bislang beste Saison auf der World Snooker Tour spielen.

Informationsquelle: wst . tv

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