Barry Hawkins krönt starke Woche bei den Welsh Open mit seinem fünften Ranglistentitel
Manchmal braucht es im Snooker vor allem eines: Geduld. Barry Hawkins hat über viele Jahre hinweg immer wieder bewiesen, dass er zu den konstantesten Spielern der Tour gehört. Doch große Titel blieben ihm trotz zahlreicher Final- und Halbfinalteilnahmen häufig verwehrt. Nun hat der Engländer ein weiteres Kapitel seiner Karriere geschrieben. Mit einem überzeugenden 9:5-Sieg gegen Jack Lisowski im Finale der Welsh Open in Llandudno sicherte sich Hawkins seinen fünften Ranglistentitel – und einen der emotionalsten Momente seiner Laufbahn.
Für den 46-jährigen Londoner ist dieser Erfolg weit mehr als nur ein weiterer Pokal. Nach fast drei Jahrzehnten auf der Profi-Tour und vielen verpassten Chancen hat er erneut gezeigt, dass Erfahrung, Nervenstärke und ein komplettes Spiel auch im modernen Snooker entscheidend sein können.
Ein Finale mit klarer Richtung
Zu Beginn des Endspiels deutete noch alles auf eine ausgeglichene Begegnung hin. Nach den ersten beiden Frames stand es 1:1 – doch danach übernahm Hawkins Schritt für Schritt die Kontrolle über das Match.
Mit präzisem Positionsspiel, ruhigem Lochspiel und beeindruckender Sicherheit am Tisch gewann er sechs Frames in Serie. Diese Phase erwies sich letztlich als entscheidend, denn der Vorsprung verschaffte ihm die nötige Ruhe für den weiteren Verlauf der Partie.
Besonders beeindruckend war dabei die Konstanz seines Spiels: Hawkins erzielte zwei Century-Breaks und mehrere weitere hohe Breaks über 50 Punkte – ein Zeichen dafür, dass er über die gesamte Distanz hinweg sein bestes Snooker abrufen konnte.
Ein Platz in der Geschichte des Sports
Mit diesem Triumph erreicht Hawkins einen wichtigen Meilenstein. Fünf Ranglistentitel zu gewinnen, gelingt nur wenigen Spielern. In der Statistik steht er nun auf einer Stufe mit bekannten Namen wie Zhao Xintong, Stephen Lee und der Snooker-Legende Ray Reardon.
Neben der prestigeträchtigen Ray Reardon Trophy nahm Barry Hawkins auch das Preisgeld von 117.000 Euro mit nach Hause.
Der Titel wirkt sich außerdem deutlich auf seine Position in den Ranglisten aus. In der Weltrangliste verbessert er sich von Platz 14 auf Rang 9 und festigt damit seine Stellung unter den Top-16-Spielern der Tour. Gleichzeitig rückt er in der Saisonwertung deutlich nach vorne und hat nun beste Chancen, sich für die Tour Championship in Manchester zu qualifizieren.
Ein Turnierbeginn voller Zweifel
Interessant ist, dass Hawkins selbst zu Beginn der Woche kaum mit einem solchen Erfolg gerechnet hatte. Kurz vor Turnierstart hatte er sich beim Training im Fitnessstudio eine Muskelverletzung im unteren Rückenbereich zugezogen.
Im ersten Match gegen David Lilley musste er sich noch sichtbar durch die Partie kämpfen. Erst im Entscheidungsframe setzte er sich mit 4:3 durch.
Doch von Runde zu Runde schien sich sein Zustand zu verbessern. Gleichzeitig kehrte sein gewohnt ruhiges und präzises Spiel zurück. Hawkins besiegte auf dem Weg ins Finale mehrere hochklassige Gegner, darunter Mark Williams, Neil Robertson und den jungen chinesischen Spieler Wu Yize.
Jack Lisowski mit emotionalem Halbfinale
Jack Lisowski erreichte das Finale nach einem dramatischen Halbfinale gegen John Higgins. In einem hochklassigen Duell setzte sich der 34-jährige Engländer im Entscheidungsframe mit 6:5 durch.
Dieser Sieg brachte ihm nicht nur den Einzug ins Endspiel, sondern auch den Bonus für den Gewinn der BetVictor Home Nations Series. Entsprechend groß war die Erleichterung nach diesem Erfolg.
Doch genau dieser Kraftakt schien im Finale Spuren zu hinterlassen. Lisowski wirkte in der ersten Session weniger frisch und konnte sein offensives Spiel nicht so frei entfalten wie gewohnt.
Eine Aufholjagd, die zu spät kam
Nach der ersten Session lag Lisowski bereits deutlich mit 1:7 zurück. Dennoch zeigte er im weiteren Verlauf seine Klasse und verkürzte mit starken Breaks von 112 und 102 Punkten auf 7:3.
Der elfte Frame entwickelte sich zu einem langen taktischen Schlagabtausch, der fast eine Stunde dauerte. Mit einem spektakulären langen roten Ball eröffnete Lisowski schließlich ein Break von 37 Punkten und verkürzte weiter.
Doch Barry Hawkins ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein glücklicher roter Ball zu Beginn des nächsten Frames brachte ihm die Chance auf ein weiteres Break, das er mit 68 Punkten nutzte.
Lisowski hielt zwar mit einem Break von 53 Punkten noch einmal dagegen und verkürzte auf 8:5, doch im 14. Frame machte Hawkins schließlich alles klar. Mit einem kraftvollen langen roten Ball eröffnete er den Tisch und sicherte sich wenig später den entscheidenden Frame.
Emotionale Worte nach dem Sieg
Nach dem Match war Hawkins die Erleichterung deutlich anzusehen. „Dieser Titel bedeutet mir unglaublich viel“, erklärte er später im Interview.
In den vergangenen Jahren sei er mehrfach knapp an großen Erfolgen vorbeigeschrammt. „Ich hatte oft das Gefühl, dass ich kurz davor bin. Deshalb fühlt sich dieser Sieg besonders verdient an“, sagte er.
Gegen Lisowski zu spielen sei zudem eine große Herausforderung gewesen: „Jack kann Bälle aus den schwierigsten Positionen lochen. Wenn er einmal ins Rollen kommt, ist er extrem gefährlich.“
Trotz der deutlichen Führung habe er nie das Gefühl gehabt, das Match sei bereits entschieden. „Bei 7:1 denkt man plötzlich an Dinge wie einen historischen Einbruch. Im Snooker kann sich alles sehr schnell drehen.“
Der Sieg habe für ihn auch eine persönliche Bedeutung. Sein Vater durchlebe derzeit eine schwierige Zeit – und Hawkins hoffe, dass dieser Titel ihm ein wenig Freude bringen könne.
Lisowski zeigt Sportsgeist
Jack Lisowski nahm die Niederlage mit bemerkenswerter Fairness. Er räumte ein, dass Hawkins an diesem Tag der bessere Spieler gewesen sei.
„Ich war in der ersten Session einfach nicht gut genug“, sagte er. „Das Halbfinale gegen Higgins hat viel Energie gekostet. Für mich fühlte sich dieses Match schon fast wie ein Finale an.“
Trotz der Niederlage kann Lisowski aus dem Turnier viel Positives mitnehmen. Seine Leistungen in dieser Saison zeigen, dass er weiterhin zu den gefährlichsten Offensivspielern der Tour gehört.
Ein wichtiger Moment für Hawkins’ Karriere
Der Triumph bei den Welsh Open könnte für Barry Hawkins zu einem wichtigen Wendepunkt werden. Nach vielen Jahren konstanter Leistungen ohne regelmäßige Titel zeigt der Sieg, dass er weiterhin in der Lage ist, große Turniere zu gewinnen.
Mit Blick auf die kommenden Monate und insbesondere auf die Weltmeisterschaft in Sheffield dürfte Hawkins nun mit neuem Selbstvertrauen antreten. Und vielleicht war dieser Titel nur ein weiterer Beweis dafür, dass Erfahrung im Snooker oft genauso wertvoll ist wie Talent.
FAQ
Wer gewann die Welsh Open 2026 im Snooker?
Barry Hawkins gewann die Welsh Open mit einem 9:5-Sieg im Finale gegen Jack Lisowski. Für den Engländer war es der fünfte Ranglistentitel seiner Karriere.
Wie viele Ranglistentitel hat Barry Hawkins gewonnen?
Mit seinem Erfolg bei den Welsh Open kommt Barry Hawkins nun auf insgesamt fünf Ranglistentitel. Damit gehört er zu einer kleinen Gruppe von Spielern, die diese Marke erreicht haben.
Wie hoch war das Preisgeld für den Sieger?
Der Gewinner der Welsh Open erhielt ein Preisgeld von etwa 117.000 € .
Welche Bedeutung hat der Sieg für Hawkins in der Weltrangliste?
Durch den Turniersieg verbesserte sich Hawkins deutlich in der Snooker-Weltrangliste und festigte seine Position unter den Top 16 der Welt.
Wie verlief das Finale gegen Jack Lisowski?
Hawkins dominierte vor allem die erste Session und ging früh mit 7:1 in Führung. Lisowski kämpfte sich später mit mehreren hohen Breaks zurück, doch Hawkins behielt die Kontrolle und gewann schließlich mit 9:5.
Welche starken Gegner besiegte Hawkins auf dem Weg ins Finale?
Auf seinem Weg zum Titel setzte sich Hawkins unter anderem gegen Topspieler wie Mark Williams, Neil Robertson und Wu Yize durch.
Warum war der Sieg für Hawkins besonders emotional?
Hawkins hatte in seiner Karriere bereits mehrere Finals und Halbfinals verloren. Der Erfolg bei den Welsh Open bedeutete daher eine wichtige Bestätigung für seine lange und konstante Karriere auf der Profi-Tour.
Welche Chancen hat Hawkins nach diesem Sieg für kommende Turniere?
Der Titel verbessert seine Position in der Saisonwertung und erhöht seine Chancen auf eine Teilnahme an der Tour Championship sowie auf eine starke Ausgangsposition für kommende große Turniere.
Informationsquelle: wst . tv
