Xiao Guodong – Der späte Aufstieg eines stillen Helden
Für Xiao Guodong ist das Jahr 2024/25 nicht nur eine gute Saison – es ist der Wendepunkt seiner Karriere. Der 36-Jährige, lange Zeit eher im Schatten der Snooker-Größen, spielt so gut wie nie zuvor. Mit einem souveränen 10:4-Sieg gegen Matthew Selt steht er nun zum zweiten Mal in seiner Laufbahn im Achtelfinale am legendären Crucible Theatre in Sheffield. Sein einziger Sieg an diesem ehrwürdigen Ort datiert aus dem Jahr 2017 – nun hat er diese Marke verdoppelt. Und diesmal wirkt alles anders: gefestigter, reifer, entschlossener.
Endlich in den Top 16 – und das mit Stil
Dass Xiao überhaupt gesetzt ins Turnier ging, ist bereits eine kleine Sensation. Zum ersten Mal gehört er zu den Top 16 der Weltrangliste – ein Resultat seines Durchbruchs in dieser Saison. In Wuhan holte er sich seinen ersten Ranglistentitel, stand im Finale des prestigeträchtigen „Champion of Champions“ und erreichte beeindruckende neun Viertelfinals. Der Mann aus Chongqing hat sich in die Weltspitze gespielt – und das mit einer Gelassenheit, die fast schon stoisch wirkt.
Ein Sieg ohne Druck – aber mit Klasse
„Jeder will am Crucible glänzen. Es ist der Ort, an dem Legenden gemacht werden“, sagt Xiao, der fast ironischerweise nur eine Gehminute vom Spielort entfernt wohnt. „Diese Saison war besonders für mich, aber ich will sie auch besonders beenden. Ich habe gegen Matt viele Male gespielt und weiß, was für ein starker Gegner er ist. Sein Comeback in der Quali war beeindruckend – ich musste voll konzentriert sein. Ich bin einfach glücklich über den Sieg. Was jetzt kommt, nehme ich, wie es kommt. Ohne Druck.“
Xiao dominierte die erste Session mit spektakulären Breaks: 69, 120, 73, 109 und 57 Punkte – pure Klasse. Doch Selt gab sich nicht kampflos geschlagen. Mit einem 54er und einem 83er Break kam er nochmal auf 7:4 heran. Dann kam der zwölfte Frame – und mit ihm die Entscheidung. Selt hatte die Chance auf eine nervenstarke Clearance, verschoss aber die pinke Kugel, die ihm den Anschluss bringen sollte. Xiao nutzte die Gelegenheit und machte mit zwei weiteren soliden Breaks den Sack zu. Es war kein Zufall, sondern ein Ausrufezeichen.
Mentor und Vorbild für Chinas Snooker-Generation
Doch Xiao Guodong ist mehr als ein Spieler auf der Jagd nach Titeln. Er ist inzwischen auch eine Vaterfigur für eine neue Generation chinesischer Snooker-Talente. Gemeinsam mit Ding Junhui gehört er zu den Veteranen, die längst nicht mehr nur auf dem Tisch für Schlagzeilen sorgen. Seit über 17 Jahren lebt er in England, hilft jüngeren Landsleuten beim Ankommen, beim Lernen der Sprache, beim Verstehen der Kultur. Und auch in China selbst – in seiner Heimatstadt Chongqing – engagiert er sich in der Ausbildung des Nachwuchses. Was für andere nur Worte sind, lebt Xiao mit stiller Selbstverständlichkeit.
Ein historischer Moment für Snooker in China
Und der Wandel im Snooker ist spürbar. Noch vor zwei Jahrzehnten waren Spieler wie Ding Junhui oder Marco Fu einsame Pioniere. Heute sind es zehn chinesische Akteure, die am Crucible antreten – so viele wie nie zuvor. Zwei davon, Xiao selbst und der junge Lei Peifan, haben es bereits unter die letzten 16 geschafft. Zhao Xintong könnte folgen – sein 7:2-Vorsprung gegen Jak Jones lässt wenig Zweifel daran.
„Ich bin stolz“, sagt Xiao schlicht. „Was Lei gestern gezeigt hat – wie er Kyren Wilson im Decider geschlagen hat – das war Wahnsinn. Wenn ich daran denke, wo wir vor 20 Jahren standen, dann ist das heute fast wie ein Wunder. Aber ich weiß, dass es erst der Anfang ist. Es werden noch viele junge Talente kommen. Ich sehe sie hierherkommen, mit Hoffnungen und Ängsten – und wenn ich helfen kann, helfe ich.“
Das Turnier nimmt Fahrt auf
Während Xiao mit innerer Ruhe und Fokus weiterzieht, droht Jak Jones, dem Vorjahresfinalisten, das frühe Aus. Gegen Zhao, der sich mühsam durch vier Qualifikationsrunden gekämpft hatte, fand er kaum ins Spiel. Zhao Xintong brillierte mit Breaks von 84, 91, 142, 70, 76, 61 und 54 – und dominierte die Partie von Anfang an. Jones rettete sich zwar mit einem 70er-Break zum 2:7 in die Pause, doch der Weg zurück ist steinig: Acht der letzten elf Frames müsste er gewinnen, um das Blatt noch zu wenden.
Das Turnier nimmt Fahrt auf – und mit Xiao Guodong ist plötzlich jemand mittendrin, den viele lange übersehen haben. Vielleicht war genau das sein Vorteil.
FAQ – Xiao Guodong und dem Snooker-WM-Turnier 2025
Wer ist Xiao Guodong?
Xiao Guodong ist ein chinesischer Snooker-Profi, der seit vielen Jahren in England lebt. Er gehört zur „zweiten Welle“ erfolgreicher chinesischer Spieler nach Ding Junhui und hat 2024/25 seine bislang erfolgreichste Saison gespielt.
Was macht Xiao Guodong so besonders?
Neben seinem technischen Können gilt er als ruhiger, konzentrierter Spieler mit großem taktischem Verständnis. Er ist zudem Mentor für junge chinesische Talente, die nach England kommen.
Wie viele chinesische Spieler nehmen 2025 am Crucible teil?
In diesem Jahr sind es zehn – ein neuer Rekord. Damit zeigt sich das stetig wachsende Niveau des chinesischen Snooker-Nachwuchses auf internationaler Bühne.
Was war Xiaos bisher größter Erfolg?
Sein erster Ranglistentitel beim Wuhan Open 2024 sowie das Erreichen des Finals beim Champion of Champions zählen zu seinen größten sportlichen Erfolgen. Auch sein aktueller Einzug ins Achtelfinale in Sheffield ist bedeutend.
Wer sind seine nächsten Gegner?
Xiaos nächster Gegner im Crucible wird entweder der vierfache Weltmeister John Higgins oder der formstarke Joe O’Connor sein.
Informationsquelle: wst . tv
