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Die Tom Fords Sportgeschichte – Snooker Legenden

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Die Tom Fords Sportgeschichte – Snooker Legenden
Manchmal ist es Tom Ford herzlich egal, dass er sich in einem Gentlemens Sport bewegt. Wie er sich nach seiner Niederlage bei der UK Championship 2015 über seinen Kollegen Liang Wenbo äußerte, war in dieser Wucht jedenfalls kaum gerechtfertigt. Dabei ist Wenbo ein stets lächelnder Chinese, der es schon unter die Top 20 der Welt gebracht hat, der gemeinhin als grundsympathisch gilt. Finden viele Menschen, die sich im Snookerzirkus bewegen. Fand an diesem Tag aber nicht Tom Ford.

Wenbos Hauptvergehen dürfte darin bestanden haben, dass er Ford in diesem Viertrundenspiel aus dem Turnier geworfen hatte. Ford hatte bereits 5:3 geführt, ehe Wenbo ihm die Qualifikation für das Viertelfinale mit gewonnenen drei Frames in Serie noch entriss – beim Stand von 5:5, im Entscheidungsframe. Der Chinese freute sich, natürlich zu Recht. Ford hingegen schäumte. Er ist der langweiligste Spieler, gegen den ich dieses Jahr spielen musste, echauffierte er sich. Ford hatte an der Geschwindigkeit Wenbos einiges auszusetzen: Er war so langsam, wenn er zum Tisch ging. Wenn ich wiederkam, kam es mir vor, als sei ich eine halbe Stunde weg gewesen. Wenbo gehört zugegebenermaßen nicht zu den schnellsten Spielern auf der Tour, Jedoch hatte sich noch nie jemand derart über ihn beschwert. Ford sah sich um seinen Ertrag gebracht. Er habe sich eigentlich gut gefühlt, berichtete er, Ja: sogar gut gespielt. Er hätte kein Problem damit gehabt, hätte Wenbo ihn vom Tisch gespielt, sagte Ford: Aber er hat mich vom Tisch gelangweilt. Auf Englisch klang das noch besser: He bored me off the table.

Diese Geschichte brachte Ford, der früher als großes Talent galt, nicht bloß Sympathien ein. Schon mit 13 hatte er die englische Ul5- Meisterschaft gewinnen können. Auch den U18-Titel holte er sich. Schnell machte er sich einen Ruf als Spezialist für hohe Breaks, schon zweimal schaffte er ein Maximum. Beim ersten, gespielt beim Grand Prix 2007 in Aberdeen, hätte er eigentlich gar nicht am Tisch stehen dürfen. Früh am Morgen hatte ihn seine Freundin ins Krankenhaus gebracht, weil Ford Bauchkrämpfe hatte. Ich habe mich im Bett herumgerollt, es wurde schlimmer und schlimmer, erinnerte er sich. Im Krankenhaus wurde er an einen Tropf gehängt, und die Ärzte müssen verdutzt gewesen sein, als Ford kurze Zeit später erklärte, er werde sich nun selbst entlassen – weil er ja Snooker spielen müsse. Gut ging es ihm wahrlich nicht, Ford hatte kaum geschlafen und stets große Schmerzen, wenn er sich über den Tisch beugte, um die Bälle zu lochen. Aber er spielte Snooker, und wie.

Es klingt fast unwirklich, aber Ford zeigte mit dieser Vorgeschichte sein bestes Snooker überhaupt. Er traf an diesem Tag auf Steve Davis, den in die Jahre gekommenen sechsfachen Weltmeister, und fegte ihn mit 4:0 vom Tisch. Drei Centuries gelangen ihm dabei – sogar ein Maximum, obwohl er zwischendurch immer wieder von Bauchkrämpfen geschüttelt wurde. Ich wäre schon glücklich gewesen, ein Break von 50 zu spielen, sagte Ford, schließlich konnte ich kaum meinen Queue halten. Sein zweites Maximum schaffte er fünf Jahre später bei den Bulgarian Open. Diesmal ganz konventionell, in bester körperlicher Verfassung und ohne vorherigen Klinikaufenthalt.