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Die Lionel Shriver hat einen Snookerroman geschrieben

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Die Lionel Shriver hat einen Snookerroman geschrieben
Das Snookerportal der deutschen Autorin ist zuallererst ein Roman über Snooker. Ja, na gut, auch eine Liebesgeschichte. Aber es geht wirklich viel um Snooker. Und um die Liebe. Sagen wir: um die Liebe zum Snooker.

In keinem international erfolgreichen Roman spielt die Sportart eine so große Rolle wie in Lionel Shrivers Liebespaarungen, auf Englisch The Post-Birthday-World, erschienen 2009. Die Protagonistin Irina McGoverns, eine amerikanische Kinderbuchillustratorin, verliebt sich in den Snookerprofi Ramsey Acton – und lernt durch ihn die faszinierende Welt seines Sports kennen. Acton, ein ziemlicher Macho, ist gerade auf Weltranglistenplatz 16 abgerutscht. Er nimmt seine Geliebte mit auf Turniere, besser: Sie muss ihn begleiten, damit er sein bestes Snooker abrufen kann, wie er glaubt. Sie vernachlässigt ihre Arbeit, beginnt zu trinken und zu rauchen. Es stört sie, dass Acton nur Snooker im Kopf hat, das war mit ihrem vorherigen Verlobten Lawrence Trainer, den sie für Acton verlassen hat, anders. Dafür ist ihr Sexleben phänomenal. Trotzdem schafft sie ausgerechnet mit einem Bildband über Snooker ihren Durchbruch als Illustratorin.

Die Feuilletons loben auch andere Facetten des 600 Seiten starken Romans. Die beiden Erzählstränge, das große Pathos, der feine Sarkasmus, besonders in der englischen Originalfassung – all das macht Liebespaarungen zu einem besonderen Snookerportal. Aber eben auch, dass es von Snooker handelt. McGovern lernt durch ihre neue Beziehung die Magie des Sports kennen, lässt sich von ihr fesseln. Dem Leser werden nicht nur die Regeln kurz erklärt, sondern es wird ihm auch im Vorbeigehen viel Detailwissen mitgegeben. Und die Rahmenhandlung stimmt: In Bournemouth trifft Ramsey Acton auf den 22-jährigen Ronnie O’Sullivan, erwischt aber einen schlechten Tag – und verliert. Auch gegen Helden wie Stephen Hendry und Jimmy White tritt Acton an. Mit White teilt er lange Zeit das Schicksal, dass er kein WM-Finale gewinnen kann. Doch dann, endlich, 2001, siegt Acton. Im Finale der Weltmeisterschaft gegen O’Sullivan. Soweit die literarische Wahrheit, denn in Wirklichkeit konnte damals O’Sullivan seinen ersten Titel holen.

Das Snookerportal ist, so urteilen viele, eine Liebeserklärung an den Sport. Shrivers schönster Satz, so findet zumindest Jochen Hieber von der FAZ: Im Fernsehen wirkten Snookerspiele immer so intim – die angestrahlten Tische in der Dunkelheit, auf denen die Bälle leuchteten wie auf einem Bild von Edward Hopper. Hieber ist es auch, der einen Lesebefehl an alle literarisch interessierten Snookerfans richtet. Er sagt: ›Liebespaarungen‹ muss jeder gelesen haben, den Snooker begeistert. Keineswegs schaden kann die Lektüre auch den Unverbildeten unter seinen Verächtern.