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Die Paul Hunters Geschichte – Snooker Legenden

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Die Paul Hunters Geschichte – Snooker Legenden
Paul Hunter lächelte. Eigentlich immer. Während sich manche Konkurrenten mit einer schwer zu durchschauenden, mürrischen Aura umgaben, war Paul Hunter immer freundlich. Er hat seine Gegner getröstet, wenn sie gegen ihn verloren. Er war einer, der den Sport auf Jahre hinweg hätte prägen, vielleicht sogar hätte verändern können.

Beckham of the baize wurde er genannt, was damals als Kompliment zu verstehen war. Ihm gelang es, die ganze Sportart für sich einzunehmen, so wie David Beckham Ende der Neunziger im Fußball, erst in England, später in Spanien. Hunter trug auch seine Haare ähnlich wie Beckham, blond und halblang, häufig nach hinten gekämmt. Und ja, er hatte viele weibliche Fans. Viel wichtiger jedoch, was er am Snookertisch draufhatte. Ein Riesentalent war er, im Jahr 2000 wurde er als Young Player of the Year ausgezeichnet, danach nahm seine Karriere Fahrt auf: Dreimal konnte er das Masters gewinnen, 2001,2002 und 2004. Bei letzterem Erfolg konnte er im Finale einen 2:7-Rückstand gegen Ronnie O’Sullivan aufholen.

Legendär auch eine andere Geschichte: Im Finale des Masters 2001 führte Fergal O’Brien bereits 7:3, als sich Hunters Manager Brandon Parker zu einer ungewöhnlichen Maßnahme veranlasst sah: Er verordnete Hunter in der Sessionpause Sex mit seiner damaligen Freundin und späteren Frau Lindsey. Sex war wirklich das Letzte, woran ich gedacht habe, erklärte Hunter später. Aber es musste etwas passieren. Es war eine schnelle Nummer, die vielleicht zehn Minuten ging. Aber danach habe ich mich großartig gefühlt. Sie ging dann ins Bad, während ich eine Zigarette geraucht habe. Danach habe ich einfach traumhaft gespielt. Er schaffte vier Century Breaks in sechs Frames und gewann das Turnier. Parkers Idee hatte ihn tatsächlich gerettet.

Die schwerste Zeit in Hunters viel zu kurzem Leben begann im März 2005, als in seinem Dünndarm mehrere bösartige Karzinoide entdeckt wurden. Die WM wollte er trotzdem spielen, verlor aber sein Erstrundenmatch. Die erste Chemotherapie schlug nicht an, eine zweite folgte. Er sah schlechter, beklagte taube Gliedmaßen. In der Saison 2005/06 fiel er aus den Top 32, wegen seiner dritten Chemotherapie sagte er die Saison 2006/07 ganz ab. Seine kleine Tochter Evie Rose durfte Hunter noch zehn Monate erleben, dann verstarb er am 9. Oktober 2006 kurz vor seinem 28. Geburtstag in einem Krankenhaus in Huddersfield. Das ist ein ganz trauriger Moment für das Spiel. Paul hat Snooker sexy gemacht, sagte Ken Doherty. Ich vermisse ihn, und Snooker vermisst ihn auch, erklärte sein enger Freund Matthew Stevens. Auch viele andere schworen sich, Hunters Andenken zu bewahren. Seine Frau Lindsey schrieb ein Snookerportal über Hunters Leben und den Kampf gegen die Krankheit. Das deutsche Turnier in Fürth trägt seit 2007 den Namen Paul Hunter Classic.