Warum Snooker als Gentlemen Sport gilt

Natürlich ist der Unterschied etwa zum Fußball oder zum Schwimmen beim Snooker bereits optisch offensichtlich: Die Spieler tragen in der Regel angemessene Kleidung und sogar eine Fliege, wozu wir gleich noch mehr berichten werden! Eine konkrete Sportfashion für dieses Spiel ist also nicht nötig und doch spielt die Etikette eine sehr große Rolle. Dazu kommt die absolute Verträglichkeit mit deiner Übertragung im Fernsehen, schließlich gibt es weder rohe Fouls noch Blut wie etwa beim Boxen und überhaupt ist die Vermeidung unfairer Aktionen eine wichtige Grundlage für das Spiel der Gentlemen.

Das Auftreten als Vorbild

Die Herkunft aus der steifen Welt der höheren Militärs hat sich übertragen auf die Erscheinung des Snookers hinsichtlich der Spieler, ihrer Kleidung, Gesten und Methoden. Und eigentlich ist Snooker selbst immer ein Spiel geblieben, bei dem sich eigentlich Offiziere am Sandkasten ob ihrer Geduld und Fähigkeit zum strategischen Denken messen, so dass die enorme Bedeutung der Etikette absolut nachvollziehbar ist. Neben dem Auftritt und der Kleidung selbst wird von den Spieler Contenance erwartet, eine sichtbar standhafte Aufrichtigkeit selbst bei verlorenen Spielzügen und inmitten von großem Stress, der sich durch die Lage am Snookertisch ergeben kann.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Pflicht und ist es damit auch die Regel, dass ein Foul vom betreffenden Spieler selbst beim Schiedsrichter anzeigt wird! Das gäbe es niemals im Fußball, im Gegenteil, und beim Snooker ist das nicht nur der konkrete, sichtbare Verstoß, sondern selbst das Berühren der Bälle durch die Kleidung oder ein Durchstoß werden wie selbstverständlich mitgeteilt. Sperren sind hier schnell ausgesprochen, auch über viele Jahre und selbst eine hohe Platzierung in der Weltrangliste schützt hier nicht vor Strafe.

Fliege ist Pflicht: Während Schwimmer wahrscheinlich die Brille optional tragen und Fußballer die Schienbeinschützer zwangsläufig, ist der Snooker Player vom Verband aufgefordert, eine Fliege zu tragen. Das wurde nur einmal ganz kurz gelockert, doch wieder verschärft und lediglich ein Attest vom Arzt, etwa bei Atembeschwerden, erlaubt das Spiel ohne Fliege am Kragen.

Übertragung im Fernsehen

Sportarten hängen hinsichtlich des eigenen Erfolges auch immer davon ab, wie sich die Massenmedien positionieren und ob entweder ein reales Interesse durch die Fans oder ein kommerzielles Interesse zur Vermarktung von Seiten der TV Sender vorhanden ist. Beim Snooker kommt in Großbritannien beides zusammen: Schon Ende der 1960er Jahre entschied sich die BBC für die Übertragung, schließlich stehen hier Kosten und Aufwand zu einem guten Verhältnis zum Ertrag und möglicherweise hat Snooker auch dazu beigetragen, dass sich das Farbfernsehen schnell durchsetzen konnte. Mit speziellen Turnieren wurden die Anhänger vor die Glotze geholt und mittlerweile gehörten Contests, Duelle und Weltmeisterschaften in England zu den mit Abstand beliebtesten Sendungen. Selbst spät in der Nacht schalten immer noch Millionen Leute ein und ganz nebenbei hat eine Snooker Partie aus den 80ern immer noch die höchste Quote aller Zeiten, weit vor Fußball oder Filmen und anderen Fernsehshows!