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Das Stuart Bingham 20 Jahre Warten und seine Geschichte – Snooker Legenden

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Das Stuart Bingham 20 Jahre Warten und seine Geschichte – Snooker Legenden
Wie viel Beharrlichkeit ausmacht, davon handelt die Geschichte von Stuart Bingham. Vielleicht handelt sie aber auch von Ignoranz.

Von einem Typen, der nicht erkannte, dass er nicht dafür gemacht schien, im Snooker Titel zu gewinnen – der es aber trotzdem Wieder und wieder versuchte. Es hätte Bingham niemand verübelt, wenn er zu irgendeinem Zeitpunkt in diesen 20 Jahren die feinen Lackschuhe ausgezogen, das Queue in die Ecke gestellt und allen mitgeteilt hätte: Macht euren Scheiß doch ohne mich.

Bingham gilt als einer der sympathischsten, nettesten, lustigsten Menschen, die auf der Profi-Tour herumreisen. Ein Spielér, den man immer gerne um sich hat. Doch mehr als 20 Jahre lang werkelte Bingham an einer bemerkenswerten Serie des Misserfolgs. Obwohl schon seit 1995 auf der Tour, damals gerade 19 Jahre alt, schaffte er es nie, einen großen Titel zu gewinnen. Kleinere schon, etwa der bei den Australian Open 2011. Bei den großen Events schaffte er es mal ins Achtelfinale, mal ins Viertelfinale, dann versagten ihm die Nerven. So bei der WM 2011, als er durch einen Sieg im Achtelfinale gegen Ding Junhui erstmals zu den Top 8 hätte gehören können. Bingham führte 12:9 – und verlor 12:13.

Dieser Vorlauf ist nötig, um zu verstehen, was am 4. Mai 2015 in Sheffield passierte. Bingham, mittlerweile 38, hatte sich mit einem nie für möglich gehaltenen Lauf ins Finale der Weltmeisterschäft gespielt. Viele Kommentatoren trauten ihren Augen nicht, als Bingham erst Ronnie O’Sullivan aus dem Turnier schmiss, dann Judd Trump. Alle staunten, doch alle warteten auf den Moment, dass Bingham auch diesmal die Nerven verlieren würde. Gegner im Finale war kein Geringerer als Shaun Murphy, der formstarke Masters-Sieger. Es war ein ungemein enges Match, nach 30 Frames stand es 15:15, ehe der 31. Frame anstand: Ein Monster-Spiel von 61 Minuten, mit einer langen Safety-Ralley und einer knapp verschossenen gelben Kugel von Murphy, die Bingham spät zurück an den Tisch brachte. Diesmal patzte er nicht: Kühl legte er einen fantastischen Snooker, beide Spieler duellierten sich minutenlang auf Pink und Schwarz, dann misslang Murphy die entscheidende Stellung. Und Bingham nutzte seine Chance.

Weltmeister! Bingham konnte es nicht fassen. Sein kleiner Sohn Shae auch nicht, der von den steilen Tribünen schüchtern runter zum Tisch tapste, sich in den Armen seines Vaters verkroch. Was wollten all die Kameras von seinem Daddy, der noch nie ein Held war? 20 Jahre voller Blut, Schweiß und Tränen haben sich endlich ausgezahlt, erzählte Bingham. Viele hätten schon früher aufgegeben, aber ich habe weitergekämpft. Auch Murphy, sein Gegner, verspürte trotz der Niederlage keinen Groll. Stuart liebt Snooker mehr als sich selbst, sagte Murphy. Und nein, es gebe wirklich keinen Spieler auf der Welt, der diesen Titel mehr verdient hätte.